Grundlagen der Fotografie – Teil 7: Wege zum schönen Bokeh


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Nach den Megapixeln, von denen heutzutage jede Kamera mehr als genug hat, ist aktuell die Hintergrundunschärfe, auch bekannt als Bokeh, in aller Munde. Man redet von Freistellungspotential, davon wie Lichtstärke wie Hubraum ist – etwas wovon man nie genug haben kann – und wie man unbedingt auf Kleinbild umsteigen muss, möchte man zur coolen Gang dazugehören. Zweifellos schadet eine große Blende und ein überdimensionierter Sensor nicht, aber das Wissen um die Faktoren, die schöne Hintergrundunschärfe begünstigen, sollte man nicht unterschätzen. Es trägt genauso viel, wenn nicht sogar mehr, zum guten Bokeh bei.

Unbenannt

Brennweite

Je länger die Brennweite umso einfacher kann man freistellen. Wenn man mit einem Zoomobjektiv fotografiert sollte man reinzoomen, auch wenn die meisten Objektive dabei automatisch um mindestens eine Blende abblenden. Der Verlust an Lichtstärke wird durch das bessere Freistellungspotential der längeren Brennweite aufgehoben. Hinzu kommt, wobei das eher auf Festbrennweiten zutrifft, das Tele-Objektive leichter zu korrigieren sind (die Design technische Korrektur ist gemeint) und weniger bis gar nicht den Raum verzerren. Dies kann besonders im Bereich Portraitfotografie wichtig sein, wo falsche Proportionen (zu große Nase, zu kleine Ohren…) sofort auffallen.

Blende

Man kann sich ein lichtstarkes Objektiv kaufen, man muss aber nicht. Auch mit lichtschwächeren kann schönes Bokeh erzielt werden. Dafür muss man die Blende aufmachen und auf die Entfernung zum Motiv, zum Hintergrund und auf dessen Struktur und Ausleuchtung aufpassen. Fotografiert man aber mit einem lichtstarken Objektiv sollte man darauf achten die Blende nicht allzu weit aufzumachen. Bokeh sollte wie jeder andere Effekt in der fotografischen Trickkiste dazu genutzt werden um das Foto aufzuwerten. Es sollte nicht Selbstzweck sein. In einer Zeit, wo man sehr oft auf Portraits stößt wo nichts im Bild außer einem Auge scharf ist, finde ich sollte das ruhig betont werden. Ich habe nichts gegen stark dosiertem Bokeh, dem Bild sollte man aber eine gewisse künstlerische Absicht anmerken können, was meiner Meinung nach zu selten der Fall ist.

Entfernung zum Motiv

Je kürzer die Entfernung zwischen Kamera und Motiv, umso unschärfer wird der Hintergrund abgebildet. Man sollte sich daher nicht scheuen näheren an das Motiv heranzugehen, gleichzeitig aber nicht den Bildausschnitt aus den Augen verlieren. Teile des Motivs (z.B. Kopf) sollten nicht zufällig abgeschnitten werden. Diesen Schritt muss man sich gut überlegen, der Betrachter muss ihn nachvollziehen können.

Entfernung zum Hintergrund

Unter sonst gleichen Bedingungen wird der Hintergrund unschärfer abgebildet, je weiter er von der Kamera und dem Motiv entfernt ist. Reicht die Entfernung bei gegebener Blende, Brennweite und Entfernung zwischen Kamera um Motiv nicht aus um einen störenden Hintergrund im Bokeh verschwinden zu lassen, so sollte man, falls möglich, sich weiter vom Hintergrund entfernen. Verinnerlicht man diesen Gedanken, merkt man schnell das plötzlich auch dort cremige Bokehs mit mittelmäßig lichtstarken Objektiven möglich sind, wo man sich früher Lichtkünstler der f1.4 Sorte gewünscht hat.

Struktur des Hintergrundes

Hintergrund ist nicht gleich Hintergrund. Es ist um einiges leichter einen homogenen Hintergrund, zum Beispiel eine glatte Wand, freizustellen, als einen chaotischen mit kontrastreichen Details, wie Gebüsch oder Geäst. Auch hier merkt man, sobald man sich damit auseinandergesetzt hat, dass man mit vergleichsweise moderaten technischen Mitteln sehr gute Ergebnisse erzielen kann.

Lichtmenge im Hintergrund

Der Sinn des Bokehs liegt in den meisten Fällen darin die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Motiv zu lenken. Auf gewisse Weise wird die Information im Hintergrund zerstört, damit man weniger geneigt ist, seinen Blick vom Motiv abzuwenden. Dies gelingt aber nur, sofern das Bokeh tatsächlich unauffällig ist, und große überbelichtete Stellen sind alles andere als unauffällig. Aus diesem Grund muss man darauf achten, dass der Hintergrund im schlimmsten Fall genau so hell wie das Motiv ist. Bestenfalls aber um 1/3 bis 2/3 Blende dunkler ist.

Das alles sind keine Regeln an die man sich zu 100% halten muss. Wie man aber schön sagt, man muss die Regeln kennen um sie brechen zu können. ;)

  1. Daumen hoch! 🙂

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