Sind gute Fotos gar nichts mehr wert? (Chicago Sun-Times-Debakel)


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Als Chicago Sun-Times (CST) Ende Mai sein ganzes Fotojournalisten-Team zu Gunsten von iPhone-Lesereportern entließ, wurde eine längst überfällige Debatte zum Wert guter Fotografie losgetreten. Es ist nicht zu übersehen, dass kreative Arbeit, darunter auch Foto- und Videografie, als immer wertloser angesehen wird. Ob es an der Download-Mentalität des Internet oder an der günstigen Fototechnik liegt, ist schwer zu sagen. Jedenfalls häufen sich Artikel zu schlecht bezahlten Fotografen beziehungsweise Maschen, die diverse Unternehmen benutzen, um Fotografen dazu zu bringen Fotos gratis abzugeben. Das Chicago Sun-Times-Debakel erscheint daher besonders interessant um ein für alle Mal zu klären wie viel Geld gute Fotografie tatsächlich wert ist. Kann wirklich jeder, der eine moderne Kamera um den Hals hängen hat, gute Fotos machen? Kann ein Laie mit einem iPhone Fotos schießen, die gut genug für das Titelblatt einer großen Zeitung sind?

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Links die Chicago Tribune, rechts die Chicago Sun-Times

Quelle: suntimesdarktimes.tumblr.com

Es sollte daher nicht verwundern, dass viele Fotografie-Enthusiasten seit der Umstellung Bildinhalte, die CSTs Webseite und Zeitung zieren, neugierig begutachtet haben. Mittlerweile existiert sogar ein Blog, auf dem Fotos der CST mit denen der Chicago Tribune, die immer noch auf erfahrene Fotografen setzt, verglichen werden. Was sofort auffällt ist die stark nachgelassen Qualität der CST-Bilder, seitdem Fotojournalisten Lesereportern weichen mussten. So langsam bestätigt sich, was jedem von uns längst klar war: für gute Fotos reicht es nicht aus einem Max Mustermann eine Kamera (schon gar nicht ein iPhone) in die Hand zu drücken, und ihn anzuweisen sie „in die ungefähr richtige Richtung zu halten und den Auslöser zu betätigen“. Der Fotograf und nicht etwa das Werkzeug macht immer noch die Fotos. Hoffentlich erkennen das dank Chicago Sun-Times bald etliche Entscheidungsträger. 🙂

Ein lustiges Zitat zum Schluss:

Ernest Hemingway: „Good pictures, what camera do you use?“ Irving Penn: „What typewriter do you use?“

😉

  1. […] sich Preise für Lizenzen, dank diversen Stock-Photography-Plattformen, im freien Fall. Große Zeitungen setzen vermehrt auf „Lese-Reporter“ statt echte Fotografen, während mehr und mehr Musiker und Bands das Fotografieren auf ihren Konzerten verbieten bzw. für […]

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  2. […] erinnert sich der eine oder andere noch, als die Chicago Sun-Times Ende Juni alle ihre Fotografen entlassen und sich entschlossen hat künftig auf Lese-Reporter und freiberufliche Fotografen zu setzen? Nun […]

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