Foveon Workflow: so kann das Bokeh mit SPP verbessert werden


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Auf den folgenden Workflow bin ich gekommen als ich in Sigma Photo Pro Bilder mit dem Fill-Light-Regler aufgehellt und dabei bemerkt habe das dieser gleichzeitig den Kontrast im und Helligkeit des Bokeh erhöht (komisch dass mir das nicht früher aufgefallen ist). Aus Neugier habe ich dann den Regler ins Negative gezogen (ein Wert zwischen -6 und -8) und mit dem Belichtungsregler für den Helligkeits- und dem Kontrastregler für den Kontrastverlust (falls nötig) kompensiert. Was mir dabei aufgefallen ist, ist, dass der negative Wert für Fill-Light nicht gleichmäßig den Kontrast und die Helligkeit im ganzen Bild reduziert, sondern mehr in den unscharfen Bereichen (Bokeh) und deutlich weniger beim scharfen Motiv. Wenn man anschließend die Werte für Belichtung und Kontrast erhöht, sieht das Motiv optimal aus, während Vorder- und Hintergrund dunkler und kontrastärmer (sanfter, geschmeidiger) erscheinen. Um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung wieso das funktioniert, den genauen Grund zu wissen ist aber nicht wirklich wichtig, Hauptsache es funktioniert. 😉 Das erste Bild wurde normal entwickelt, das zweite mit dem neuen Workflow mit dem negativen Fill-Light und erhöhter(m) Belichtung/Kontrast. Ich denke das Ergebnis spricht für sich.

Sigma Photo Pro Standard Workflow

Sigma Photo Pro  Bokeh Workflow

Nun möchte ich euch zeigen was ich in diesem konkreten Fall genau gemacht habe. Das obige Bild wurde mit den folgenden Parametern entwickelt: 0 für Belichtung, 8 für Kontrast und 0 für Fill-Light. Ich würde sagen es ist ein typisches Ergebnis. So habe ich bisher 99% meiner Bilder entwickelt.

SPP-Foveon-Standard-Workflow

Beim zweiten Bild habe ich die Parameter wie folgt verändert: 6 für Belichtung, 8 für Kontrast (bei diesem Bild war es nicht nötig den Kontrast zu verändern), -8 für Fill-Light. Man sieht hier recht gut, dass das Motiv gleich bzw. annähernd gleich hell und kontrastreich ist, aber der Vorder- und Hintergrund deutlich weniger Helligkeit und Kontrast aufweisen.

SPP-Foveon-Bokeh-Workflow

Möchte man bei einem Bild, welches wie die beiden obigen, einen gleichfarbigen (nur grün) Vorder- bzw. Hintergrund hat, das Bokeh noch unauffälliger machen, so kann man das z.B. mittels Lightroom tun, indem man den Helligkeitsregler für die konkrete Farbe ins Negative zieht.

Lightroom-Color-Luminance

Es ist zu empfehlen dass man die Datei als 16bit TIFF aus SPP exportiert, um Farb-Banding beim anschließenden Bearbeiten in Lightroom vorzubeugen. Wenn man so extrem viel an der Farben verändert, ist es gut so viele Farbinformationen wie möglich in der Datei zu haben und das die Datei so wenig wie möglich komprimiert ist. Andernfalls können Bildartefakte wie Farb-Banding auftreten.

Zum Schluss möchte ich nur sagen, dass dieser Workflow kein Universal-Workflow ist. Bei Bildern, die nicht optimal belichtet sind oder wo die Szene sehr viel Dynamik hat, möchte man klarweise die Belichtung ins Negative und den FIll-Light ins Positive ziehen um auf diese Weise so viel Dynamik wie möglich aus den Foveon-RAWs herauszukitzeln. Was der hier vorgestellte Workflow macht, ist das Gegenteil, er verbessert das Bokeh auf Kosten der Dynamik.

  1. Jean Pierre 31. Mai 2014 um 22:39

    Vielen Dank Lars für das Teilen deines Workflows. Deine Erkenntnis ist korrekt und man muss nicht immer alles verstehen. Wir sollten viel lieber intuitiver und mit mehr Mut an die Sache rangehen.

    Wieso die Regler anders verhalten, als wir es vermuten, liegt an den Algorithmen, die dahinter stecken. Ich arbeite mit 4 Bildbearbeitungsprogrammen und kann dir nur sagen, dass jedes Programm für den gleichen Reglertyp (z.B. Kontrast) anders reagiert! Deshalb ist es wichtig, sich nicht an den Namen oder Bezeichnung zu fixieren, sondern ALLE Regler zu betätigen.

    Wie ich bereits geschrieben habe, braucht es Zeit und man muss echt alle Regler ausprobieren. Am besten gleich mit einer X3F-Datei anfangen. Danach wird man klüger! Ich habe mir seit einem Jahr vorgenommen, alle Aenderungen an den Regler aufzuschreiben und hoffe, auf ein Resultat zu kommen, damit ich weiss, wie und was die Regler tun. Bis jetzt ist es nicht möglich, weil jedes Bild anders ist. Die Belichtung, das Motiv, Tageslicht, Abenddämmerung, Landschaft, Dunkelheit, etc.

    Ich habe gemerkt, dass ich einfach von Oben nach Unten die Regler verschieben muss. Natürlich ärgert es mich, wenn ich lange brauche. Doch es lohnt sich in der Regel.

    Wenn ich denke, wie schnell ich die RAW-Datei mit Adobe Lightroom entwickelt habe, dann möchte ich es auch für den SPP haben. Doch ich weiss, dass es sich lohnt und das Resultat als TIFF-Datei hervorragend ist. Die TIFF-Datei kann ich immer noch mit Lightroom fertig entwickeln, wenn es angebracht ist.

    Für mich ist der Fill-Light-Regler im SPP5 der Schlüssel! Viele schreiben, dieser solle nicht mehr als +0.5 sein, weil sonst das Bild einen HDR-Eindruck bekommt! Der Fill-Light-Regler ist nicht einfach in der Handhabung. Er reagiert sehr stark auf die anderen Regler.

    Du hast es gezeigt, wie stark es auf das Bild einwirkt.

    Eines steht fest. Uns wird es nicht langweilig bei der Entwicklung der X3F-Dateien. Es ist so viel spannender, als im Lightroom eine Vorgabe anzuwählen und schwubediwub das Bild ist entwickelt.

    Antwort

    1. Für mich ist der Fill-Light-Regler im SPP5 der Schlüssel!

      Ja, der Fill-Light-Regler birgt so einige Überraschungen.

      Viele schreiben, dieser solle nicht mehr als +0.5 sein, weil sonst das Bild einen HDR-Eindruck bekommt!

      Das ist von anderen Reglern und auch davon abhängig wie die Datei belichtet wurde. Bei einer unterbelichteten Datei kann man die Belichtung und den FL-Regler weit ins Positive ziehen, ohne dass das Foto unnatürlich wirkt. Bei korrekt belichteten Fotos stimmt es aber über +0,5 sollte man nicht gehen.

      Der Fill-Light-Regler ist nicht einfach in der Handhabung. Er reagiert sehr stark auf die anderen Regler.

      Das stimmt auf jeden Fall.

      Eines steht fest. Uns wird es nicht langweilig bei der Entwicklung der X3F-Dateien. Es ist so viel spannender, als im Lightroom eine Vorgabe anzuwählen und schwubediwub das Bild ist entwickelt.

      Was mir immer weider auffällt ist, dass man in LR das Fine-Tuning leichter/besser vornehmen kann, während man in SPP einen Effekt/Stil besser implementieren kann.

      Antwort

  2. […] verbessern mit dem SPP Fill-Light-Regler Den Link zu diesem Workflow habe ich gerade im blauen Forum gefunden, wo dieser kaum diskutiert wird. Vielleicht interessiert […]

    Antwort

  3. Ich kann Jean-Pierres Satz „alle Regler ausprobieren“ nur zustimmen. Das ist mit SPP das A und O und wohl auch der Grund, warum viele SPP so wenig schätzen (kein Ausprobieren und kein genaues Hinsehen). Ich war auch lange Zeit zu sehr den Bezeichnungen der Regler verhaftet. So ganz hab ich die Erkenntnis, selbst hinzusehen erst mit dem „Smoother Portraits“-Artikel vom x3magazine verinnerlicht. Die Regler für die Rauschminderung sind nämlich fast noch wichtiger als Fill Light – eben, weil sie mehr tun, als ihre Bezeichnungen verraten.

    Das negative Fill-Light hilft auch sehr gut bei Zeilenrauschen … und beim Bokeh … und eben bei der eigenen Kontrastvorliebe relativ homogener Bereiche. Ich hab viele Beiträge in Foren gelesen, daß Himmel und Wolken zu unnatürlich und überkontrastiert wierdergegeben würden mit Merrill+SPP. Das läßt sich alles aber beliebig anpassen. Wesentlich sind da Rauschminderung und Fill Light. Man muß nur hinsehen und ausprobieren. ^^

    SPP ist ja sehr übersichtlich und überschaubar (im Gegensatz zu ausgiebig gefüllten Konvertern wie Photivo). Wenn man die wenigen Regler aber gut kennt, und zwar eben mit ihrer Wirkung und weniger mit dem, was man hinter der Bezeichnung vermutet, hat man schnell das gewünschte Bild. Das kann SPP mMn. auch besser als alle Konkurrenten … da merkt man wohl doch, wer seine Produkte am besten kennt und die Geheimnisse nutzen kann. Letztlich braucht es bei mir auch fast nie ein Feintuning. Einzig für die Kombination unterschiedlicher Entwicklungen, zum Überblenden (wenn z. B. die Dynamik fehlt, oder lokal Kontrast) kann noch die EBV herhalten. Aber ein mit +0.3-Fill-Light betonter Bildteil sticht aus einem -0.3-Fill-Light-Bildteil oft auch deutlich raus … meist ist der Gesamtbildeindruck besser, wenn man nicht zu viel vermischt. In Einzelfällen mach ich’s dennoch.

    PS: meine Grenze ist meist schon bei +0.3-Fill-Light erreicht. Klar gibt’s Szenen, da geht auch mehr, aber auf +0.4 ist meist n ganz schöner Sprung und die Säume werden schon in der kleinen Vorschau sichtbar …

    Antwort

    1. Das negative Fill-Light hilft auch sehr gut bei Zeilenrauschen … und beim Bokeh … und eben bei der eigenen Kontrastvorliebe relativ homogener Bereiche. Ich hab viele Beiträge in Foren gelesen, daß Himmel und Wolken zu unnatürlich und überkontrastiert wierdergegeben würden mit Merrill+SPP. Das läßt sich alles aber beliebig anpassen. Wesentlich sind da Rauschminderung und Fill Light. Man muß nur hinsehen und ausprobieren. ^^

      Sehe ich auch so. Man darf nicht zu früh aufgeben, meist ist deutlich mehr in den RAWs drin, als man denkt.

      SPP ist ja sehr übersichtlich und überschaubar (im Gegensatz zu ausgiebig gefüllten Konvertern wie Photivo). Wenn man die wenigen Regler aber gut kennt, und zwar eben mit ihrer Wirkung und weniger mit dem, was man hinter der Bezeichnung vermutet, hat man schnell das gewünschte Bild. Das kann SPP mMn. auch besser als alle Konkurrenten … da merkt man wohl doch, wer seine Produkte am besten kennt und die Geheimnisse nutzen kann.

      Das habe ich vor Jahren zum ersten mal bemerkt, als ich mit positivem Fill-Light gespielt habe, und mir klar wurde wie viel mehr Dynamik in den RAWs drinsteckt, als Alternativprogramme herauskitzeln können.

      Letztlich braucht es bei mir auch fast nie ein Feintuning.

      Dafür benutze ich immer noch Lightroom, weil mir die Farbkugel einfach nicht so gut liegt. Wenn ich den WA ein kleines bisschen anpassen möchte, fällt mir das deutlich leichter mit den Reglern in LR als mit der Kugel in SPP.

      PS: meine Grenze ist meist schon bei +0.3-Fill-Light erreicht. Klar gibt’s Szenen, da geht auch mehr, aber auf +0.4 ist meist n ganz schöner Sprung und die Säume werden schon in der kleinen Vorschau sichtbar …

      Bei Farbfotos hat man weniger Spielraum, meist gehe ich auch nicht über +0.4. Im Monochrome-Modus geht aber fast alles.

      Antwort

  4. Hallo Lars,

    warum ziehst Du den Schärferegler auf – 2 ?

    Antwort

    1. Hallo Lars,

      warum ziehst Du den Schärferegler auf – 2 ?

      Hi Jürgen,

      ich bevorzuge es meine Fotos als 16 Bit TIFFs aus SPP zu exportieren und den Großteil der Bearbeitung in Lightroom zu machen. In LR lässt sich nicht nur einstellen wie stark nachgeschärft werden soll, sondern auch mit welchem Radius. Oft schärfe ich aber gar nicht nach, da ich mit der „Grundschärfe“, die die Foveons liefern, mehr als zufrieden bin.

      LG
      Lars

      Antwort

      1. Jürgen Rötzsch 9. März 2015 um 22:20

        Hallo Lars,

        danke für die Antwort.

        Ich habe die Schärfe in SPP immer auf 0 gelassen und den TIFF’s mit PS den Rest gegeben.
        Das mit der Grundschärfe sehe ich bei meiner DP3 auch so, da ist oft jeder Schärfeversuch schlicht zuviel.
        Ich werde es mal mit „-2“ versuchen…

        Dass Du Deine Erfahrungen und Mühen hier zur Verfügung stellst, finde ich klasse, zumal m.E. „Foveon“ in der Fotowelt eher ignoriert wird, Danke!

        Gruß
        Jürgen

      2. Hallo Lars,

        danke für die Antwort.

        Ich habe die Schärfe in SPP immer auf 0 gelassen und den TIFF’s mit PS den Rest gegeben.
        Das mit der Grundschärfe sehe ich bei meiner DP3 auch so, da ist oft jeder Schärfeversuch schlicht zuviel.
        Ich werde es mal mit “-2″ versuchen…

        Dass Du Deine Erfahrungen und Mühen hier zur Verfügung stellst, finde ich klasse, zumal m.E. “Foveon” in der Fotowelt eher ignoriert wird, Danke!

        Gruß
        Jürgen

        Hallo Jürgen,

        nichts zu danken! Ich würde sagen „0“ ist bereits zu viel. Kontrastreiche Kanten können bei einem so hohen Schärfewert Treppchen aufweisen. Meiner Meinung nach ist der Bereich zwischen -2 und -1 ein guter Ausgangspunkt. Schließlich kann man später in PS/LR nachschärfen sofern man möchte – natürlich auch abhängig von der Ausgabengröße. Exportiert man niedrig aufgelöste Bilder fürs Web, muss man eventuelle stärker nachschärfen, da die Verkleinerung das Bild immer ein bisschen unschärfer macht. Beim Drucken muss man fast gar nicht nachschärfen.

        Dass Du Deine Erfahrungen und Mühen hier zur Verfügung stellst, finde ich klasse, zumal m.E. “Foveon” in der Fotowelt eher ignoriert wird, Danke!

        Vielen Dank! Das weiß ich zu schätzen.

        LG
        Lars

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