Test: Sigma DP2 Quattro


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Ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass der neue Quattro-Sensor in der Sigma-Community sehr umstritten ist. Seitdem Sigma den neusten Foveon vorgestellt hat, wird über die Vor- und Nachteile seines unorthodoxen Designs heftig diskutiert. Einem Teil der Sigma-Nutzer missfällt der i.V. zum Merrill-Sensor niedrigere Mikrokontrast, anderen wiederrum gefallen die realistischeren Farben und die Tatsache dass der Quattro-Sensor mit manchen Motiven, für die ein hoher Mikrokontrast eher nachteilig ist, besser zurecht kommt. Wie wir Fotografen wissen, besteht eine Kamera aus viel mehr, als nur dem Sensor. Aus diesem Grund finde ich es schade, dass sich die Diskussion um die beiden Sensoren, statt um die Kameras (DP2Q vs DP2M), dreht. Es ist nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dorthin, was zähl. Deswegen möchte ich auch meinen Senf zur DP2Q dazugeben.

Sigma DP2 Quattro (volle Auflösung - full resolution)Bildqualität

Wie ich in einem meiner letzten Blogposts über den „Foveon-Look“ geschrieben habe, vertrete ich die Meinung dass es nicht „den Foveon-Look“ gibt. Ur-DPs, DP Merrills und nun die Quattro haben alle einen einzigartigen Look, was sie aber gemeinsam haben ist das extrem hohe Auflösungsvermögen und eine Pro-Pixel-Schärfe, die sie Bayer-Kameras mit ähnlicher „Nennauflösung“, bei niedrigen Empfindlichkeiten, deutlich überlegen macht. In diesem Sinne ist der Quattro ebenfalls ein Foveon-Sensor – von einer „Bayerisierung des Foveon“ kann keine Rede sein. Im Vergleich zum Merrill wurden drei Dinge geändert: 1) das Rauschverhalten ist besser, 2) die Reserven in den Spitzlichtern sind geringer und 3) das Rauschniveau in den Schatten ist niedriger, was zu einer größeren Dynamik in diesem Bereich führt und den Nachteil in den Spitzlichtern wieder wettmacht. Im Großen und Ganzen würde ich sagen dass der Quattro-Sensor anders, statt besser oder schlechter, abbildet.

Design, Verarbeitung und Haptik

Mir ist bewusst dass das Design der Quattro sehr stark polarisiert. Mir gefällt es, ich kann aber Leute verstehen, die mit dem Design nichts anfangen können.

Im Hinblick auf das Finish fallen die Unterschiede zwischen der DP2Q und der DP2M ähnlich wie die zwischen Sigma-Objektiven der EX- und den A/S/C-Reihen aus. Die Quattro hat ein matteres (deutlich weniger Fingerabdrücke) und wertiger aussehendes Äußeres als die Merrill, die Verarbeitung ist jedoch, was man beim Anfassen der beiden Kameras auch gleich merkt, auf einem vergleichbar hohen Niveau. Positiv erwähnen muss ich die Tasten der Q, die nun rund sind und einen besser definierten Druckpunkt haben.

Einige werden mir sicherlich widersprechen, in Bezug auf die Haptik finde ich aber dass dank dem „umgekehrten“ Griff die Quattro deutlich besser in der Hand liegt.

Bedienung

Am altbewährten DP-Bedienungskonzept wurde bei der Quattro nicht viel geändert, die wenigen Änderungen verbessern aber die ohnehin sehr gute Bedienung, die man von den Merrills kennt. Hier sind vier Verbesserungen, die mir sehr gut gefallen: 1) das zweite Rändelrädchen, welches das Vornehmen der Einstellungen im manuellen Modus erleichtert, 2) das neue QS-Menü, welches optisch aufgehübscht wurde und sich einfacher individualisieren lässt, 3) das Aktivieren der 100% Ansicht auf den verwendeten AF-Punkt, beim Drücken auf den Knopf in der Mitte der Kreuztaste und 4) der sehr präzise Histogramm, der das Vornehmen von Belichtungskorrekturen deutlich erleichttert.

Autofokus und Schreibgeschwindigkeit

Dank des neuen Prozessors wurde die Schreibgeschwindigkeit verdoppelt. In der Praxis bedeutet das, dass die Quattro halb so lange braucht, um die sehr großen X3Fs auf die Speicherkarte zu schreiben. Dass ein neuer Prozessor „unter der Haube“ steckt, macht sich auch beim Fokussieren bemerkbar. Die größte Verbesserung in dieser Hinsicht kommt aber vom AF-Hilfslicht, welches den AF beim schwachen Licht i.V. zur Merrill um einiges verlässlicher macht.

Akku und Bildschirm

Der Quattro wurde ein neuer Bildschirm spendiert, der heller und schärfer wirkt und realistischer erscheinende Farben hat. Der neue Akku, der in der Quattro zum Einsatz kommt, ist doppelt so groß, hat aber eine minimal niedrigere Kapazität (DP2Q/1200mAh vs DP2M/1250mAh). In der Praxis schafft aber die Quattro, trotz der höheren Leuchtkraft des Displays, doppelt so viele Aufnahmen pro Akkuladung. Wie den Merrills, legt Sigma der DP2Q zwei Akkus bei, mit denen man im Durchschnitt 400 Aufnahmen machen kann.

Fazit

Der Look der Quattro mag anders sein, aber die Abbildungsleistung ist der der Merrills sehr ähnlich und absolut betrachtet auf einem sehr hohen Niveau. Statt sich ausschließlich auf die Bildqualität zu konzentrieren, hat Sigma bei dieser Generation der DP, auch die „Usability“ deutlich verbessert. Die Quattro ist schneller, griffiger, noch leichter zu bedienen, sieht in echt wertiger aus und hat ein deutlich besseres Bilder/Akku-Verhältnis.

Die folgenden Bilder könnt ihr euch auf Flickr in voller Auflösung anschauen. Dazu brauch ihr nur auf das Bild, dann auf das Symbol mit dem Pfeil nach unten und anschließend auf „Original“ zu klicken. 🙂
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Weitere Fotos, die ich mit der DP2Q gemacht habe, findet ihr auf Pinterest und Flickr.

  1. Das erste Bild ist einfach toll!
    Ich wusste nicht, dass die DP2Q auch einen normalen Sucher hat o.O

    Antwort

    1. Das erste Bild ist einfach toll!

      Vielen Dank! Freut mich das es dir gefällt.

      Ich wusste nicht, dass die DP2Q auch einen normalen Sucher hat o.O

      Das ist ein optionaler Sucher, der leider keine Parallaxenkorrektur hat.

      Antwort

  2. Ein sehr schöner und nützlicher Vergleich mit tollen Testbildern. Mir scheint, die Entwicklung der Digitalkameras hat ein Niveau erreicht, bei dem man das jeweils neuere Modell kaufen kann, wenn man will und vielleicht auch sollte, wenn man neu einsteigt. Aber wenn man das Vorgängermodell besitzt, so besteht eigentlich nicht mehr so viel Notwendigkeit zum häufigen Wechsel wie noch vor ein paar Jahren.
    (Zwei ganz kleine sprachliche Anmerkungen, weil der Text hier in aller Öffentlichkeit steht: widersprechen anstatt „wiedersprechen“ ; gemeint ist ´gegen´, nicht ´nochmal´ und beim Fokussieren anstatt „beim Fokusieren“. Hat aber nichts mit dem Thema zu tun. 🙂 )

    Antwort

    1. Hallo Peter

      Ein sehr schöner und nützlicher Vergleich mit tollen Testbildern. Mir scheint, die Entwicklung der Digitalkameras hat ein Niveau erreicht, bei dem man das jeweils neuere Modell kaufen kann, wenn man will und vielleicht auch sollte, wenn man neu einsteigt. Aber wenn man das Vorgängermodell besitzt, so besteht eigentlich nicht mehr so viel Notwendigkeit zum häufigen Wechsel wie noch vor ein paar Jahren.

      Ich sehe das ein bisschen anders. M.M.n. bestand noch nie die Notwendigkeit bei jeder neuen Generation der Kameras upzugraden. Sinnvoll war es schon immer eine Generation auszulassen und bei jeder zweiten upzugraden.
      Mit den Merrills hat Sigma einen in Hinblick auf die Bildqualität sehr großen Schritt nach vorne gemacht. Ich finde die Abbildungsleistung der Merrills immer noch erstklassig. Verbesserungswürdig waren andere Aspekte der DP-Kameras, wie Reaktionsgeschwindigkeit, Akku-Leistung, Bildschirm, usw. Genau das hat Sigma mit der Quattro gemacht.

      (Zwei ganz kleine sprachliche Anmerkungen, weil der Text hier in aller Öffentlichkeit steht: widersprechen anstatt “wiedersprechen” ; gemeint ist ´gegen´, nicht ´nochmal´ und beim Fokussieren anstatt “beim Fokusieren”. Hat aber nichts mit dem Thema zu tun. 🙂 )

      Vielen Dank dafür, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. 🙂

      Antwort

  3. Fotografie ist deutlich mehr als nur die Technik dahinter. Natürlich ist es schön wenn ein gutes Motiv auch technisch gut umgesetzt ist, aber das Motiv ist das entscheidende an der Fotografie.
    Ich staune immer wieder wenn ich in Ausstellungen Bilder aus den vergangenen 100 Jahren sehe und man sagt wow, obwohl man das Filmkorn sieht und die Schärfe unter Berücksichtigung des aktuellen Standes der Technik einfach schlecht ist, bei einem guten Motiv ist es mehr als nebensächlich.
    Der eine ist darauf angewiesen 200 Bilder in 5 Minuten zu machen, weil dann sein Motiv weg ist, der andere macht ein Bild nach drei Stunden ausrichten und beleuchten etc. Die beste Kamera ist immer die, die mir dabei am meisten Spass macht und mir die Möglichkeit gibt mein Motiv so zu fotografieren wie ich es möchte.
    Die heutigen Pixelpeepingdiskussionen entfernen uns nur vom eigentlichen Sinn des Fotografierens, es wird ja niemand gezwungen das Modell X oder Y zu kaufen. Macht lieber mal wieder Prints von den Bildern, dann merkt man das ein 90 x 60 mit jeder 16 MP Kamera fantastisch werden kann und die stundenlange Diskussion über Pixelfarben oder Mikrokontrasten rein akademisch ist.
    Besten Gruss
    Volker

    Antwort

    1. Hallo Volker

      Fotografie ist deutlich mehr als nur die Technik dahinter. Natürlich ist es schön wenn ein gutes Motiv auch technisch gut umgesetzt ist, aber das Motiv ist das entscheidende an der Fotografie.

      Das bestreitet niemand.

      Ich staune immer wieder wenn ich in Ausstellungen Bilder aus den vergangenen 100 Jahren sehe und man sagt wow, obwohl man das Filmkorn sieht und die Schärfe unter Berücksichtigung des aktuellen Standes der Technik einfach schlecht ist, bei einem guten Motiv ist es mehr als nebensächlich.

      Bei älteren Bilder erwartet man gewisse technische Mängel – oft machen diese den Charme eines Bildes aus. Ich weiß jedenfalls, das alte Fotos mit leicht erkennbarem Korn und „Analog-Look“ in mir Nostalgie auslösen. Das bedeutet aber nicht, das bei zeitgenössischen Fotos der technische Aspekt völlig nebensächlich ist.

      Der eine ist darauf angewiesen 200 Bilder in 5 Minuten zu machen, weil dann sein Motiv weg ist, der andere macht ein Bild nach drei Stunden ausrichten und beleuchten etc. Die beste Kamera ist immer die, die mir dabei am meisten Spass macht und mir die Möglichkeit gibt mein Motiv so zu fotografieren wie ich es möchte.

      Das stimmt, nur wie soll man das vor dem Kauf wissen, ohne Erfahrungsberichte und Reviews anderer gelesen oder die Kamera irgendwo ausprobiert zu haben?

      Die heutigen Pixelpeepingdiskussionen entfernen uns nur vom eigentlichen Sinn des Fotografierens, es wird ja niemand gezwungen das Modell X oder Y zu kaufen.

      Natürlich wird niemand gezwungen ein gewisses Kameramodell zu kaufen. Soll jeder verwenden, was er möchte bzw. was ihm Spaß macht.

      Macht lieber mal wieder Prints von den Bildern, dann merkt man das ein 90 x 60 mit jeder 16 MP Kamera fantastisch werden kann und die stundenlange Diskussion über Pixelfarben oder Mikrokontrasten rein akademisch ist.
      Besten Gruss
      Volker

      Das sehe ich nicht so Volker. Die technischen Aspekte sind nie „akademisch“. Das wusste auch Ansel Adams, der aus dem Belichten und Vergrößern eine Wissenschaft gemacht hat. HCB wusste das aber auch, und verwendete die teuerste Kleinbild-Ausrüstung, die man kaufen konnte und engagierte Profis um seine Negative zu vergrößern.

      Antwort

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