Test: Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art


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„Kaufen oder nicht kaufen?“, lautete die Frage, als ich vor sieben Wochen vor der Entscheidung stand, das Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art zu bestellen. Gegen den Kauf sprach die Tatsache, dass Porträts nicht zu meinen bevorzugten Fotomotiven gehören und dass mein Bedarf nach einem kurzen Tele bereits von der Sigma DP3 Merrill und ihrer hervorragenden 50mm Festbrennweite ausreichend gedeckt war. Für den Kauf sprachen die hohe Lichtstärke und die hervorragende Abbildungsleistung bereits bei Offenblende. Trotzdem kann ich nicht behaupten dass das Objektiv unbedingt gebraucht zu habe. Ich fand es allerdings mit jeder weiteren Topwertung, die das 50/1.4 Art in den Reviews einheimste, zunehmend schwieriger dem Objektiv zu widerstehen. Wie es bei uns Fotografen oft passiert, besiegte letzten Endes das Habenwollen die Vernunft. 🙂

Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)

Anmerkung: ich besitze die folgenden Art Objektive, die ich vor dem 50/1.4 Art getestet habe: 30/1.4 Art, 35/1.4 Art und 18-35/1.8 Art.

Verarbeitung und Handling

Wie alle A/C/S-Objektive von Sigma besteht auch das 50/1.4 Art großenteils aus „Thermally Stable Composite“ – einem sehr robusten und temperaturwechselbeständigen Kunststoff. Das Objektiv fühlt sich kalt an, so als wäre es aus Edelstahl gefertigt. Die Verarbeitungsqualität ist sehr hoch, es wirkt wie aus einem Guss. Neben dem TSC trägt sicherlich auch das Gewicht zu diesem Eindruck bei. Mit 815g, die es auf die Waage bringt, und einer Länge/Breite von 10cm/8,5cm ist es wahrlich kein leichtes oder kleines Objektiv. Wie bei den anderen drei Arts, die ich getestet habe, besteht der Anschluss aus Metall. Auch beim Fokusring und dem AF/MF-Schalter gibt es keine Überraschungen. Der erstere dreht sich gleichmäßig. Der Einstellweg beträgt etwas über 90°, was nicht besonders viel ist, da aber der Fokusring zu der schwergängigeren Sorte gehört, lässt sich dennoch sehr genau manuell fokussieren. Der Widerstand verhindert zudem das versehentliche Verstellen des Schärfebereiches. Zum AF/MF-Schalter gibt es nicht viel zu sagen, wie bei den restlichen Art-Objektiven rastet dieser satt ein.

Bildqualität

Obwohl meine Erwartungen an das 50/1.4 Art sehr hoch waren – nicht zuletzt aufgrund seines Otus-Killer-Spitznamens – konnte das Objektiv diese erfüllen. Ich besitze selbst keines der Otus-Objektive, dafür aber die nächstbeste Alternative, die Sigma-DP-Kameras. Im direkten Vergleich war die SD1M + 50/1.4 Art Kombi im Nahbereich – der Vergleich der Schärfe im Fernbereich kommt noch – der DP3M nicht nur bei gleicher Blende, sondern auch bei jeweiliger Offenblende (f/1.4 vs f/2.8) überlegen.

Wenn man bedenkt, dass kaum ein anderes Objektiv an der SD1M an die Abbildungsleistung der DPs herankommt, ist das eine wahrhaftige Meisterleistung.

Aber auch im täglichen Einsatz konnte mich das 50/1.4 Art überzeugen. Ob man bei Offenblende oder abgeblendet fotografiert, ist praktisch egal, nur die Schärfentiefe verändert sich. Die Bezeichnung „offenblendentauglich“ wird dem Objektiv nicht gerecht. Damit ihr euch selbst ein Bild davon machen könnt, habe ich unten einige Fotos inkl. 100%-Crops eingefügt.

Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)

100%-Crop , f/1.4. Unbedingt auf das Bild klicken um es im neuen Browserfenster in voller Größe zu betrachten. Sonst sieht es, aufgrund der Skalierung, matschig aus.

Crop

Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)

100%-Crop , f/1.4. Unbedingt auf das Bild klicken um es im neuen Browserfenster in voller Größe zu betrachten. Sonst sieht es, aufgrund der Skalierung, matschig aus.

Crop-1 Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution) 100%-Crop , f/1.4. Unbedingt auf das Bild klicken um es im neuen Browserfenster in voller Größe zu betrachten. Sonst sieht es, aufgrund der Skalierung, matschig aus.

Crop-2 Autofokus

Die drei größten Arts – das 35/1.4, 18-35/1.8 und das 50/1.4 – fokussieren derart ähnlich schnell, dass man meinen könnte, alle drei hätten den gleichen AF-Motor. Dass dem nicht so ist, merkt man, wenn man sich etwas intensiver mit den Objektiven beschäftigt. Der Motor des 18-35/1.8 ist beispielsweise so leise, dass man manchmal denkt er würde gar nicht arbeiten – zumindest bis die AF-Leuchte im Sucher anfängt zu leuchten. Der Motor des 50/1.4 Art ist wie jener des 35/1.4 Art hörbar, fällt jedoch nicht störend auf. Da aber das 50er ein dem 18-35er ähnlich schweres Innenleben hat, der Motor aber lauter ist, muss es wohl ein anderer Motor sein…Wie dem auch sei, das 50/1.4 Art fokussiert für mein Empfinden schnell genug. Ob es für Sport- oder Action-Fotografie ausreichend schnell ist, kann ich mangels Erfahrung und Interesse an diesen Bereichen der Fotografie nicht sagen.

Fazit

Ob das 50/1.4 Art nun ein Otus-Killer ist, oder nicht, spielt für uns SIGMAianer keine Rolle. Mit SA-Anschluss werden die Otuse sowieso nicht hergestellt. Was für uns wichtig ist, ist dass das Objektiv auch an der SD1M eine hervorragende Figur macht und voraussichtlich auch auf der nächsten SD machen wird. Wie kaum eine andere Festbrennweite schafft sie es ihr DPM-Pendant auf seinen Platz zu verweisen – was in meinen Augen einem kleinen Wunder gleichkommt. Der hervorragenden Abbildungsleistung stehen natürlich mehrere Nachteile gegenüber. Erstens, das Objektiv alleine kostet fast so viel wie zwei DP3 Merrills. Zweitens, es wiegt so viel wie zwei DP3Ms und ist an der SD1 Merrill genauso groß wie zwei DP3Ms. Und drittens, anders als die DP3M, ist es für Makros schlecht geeignet.

Wie so oft, welche Ausrüstung besser ist, hängt vom vorhandenen Budget, der persönlichen Schmerzgrenze im Hinblick auf Größe und Gewicht und den Fotomotiven, die man beabsichtigt zu fotografieren, ab. Mit beiden Kombis lassen sich gewisse Motive (Freistellung vs Makro) ablichten, die mit der anderen Kombi so nicht eingefangen werden können.

Die folgenden Beispielbilder sind in voller Auflösung (15 Megapixel) auf Flickr verfügbar. Einfach auf die Fotos klicken, um sie euch in voller Größe anzuschauen.
Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)Sigma SD1 Merrill & 50mm f/1.4 Art (volle Auflösung - full resolution)

Weitere Fotos, die ich mit dem 50mm f/1.4 Art und der SD1 Merrill gemacht habe, findet ihr auf Pinterest und Flickr.

  1. Wow. Was ein tolles Objektiv! Schade, dass die Linse nicht für APSC-Kameras verfügbar ist, sonst hätte ich vermutlich auch schon zugeschlagen!
    Viele Grüße und Danke für den tollen Bericht!
    Katja
    https://weltimsucher.wordpress.com/

    Antwort

    1. Hallo Katja,

      das Objektiv lässt sich selbstverständlich auch auf ASPC-Kameras nutzen. Meine Sigma SD1 Merrill, mit der all die Fotos gemacht wurden, ist eine APSC-Spiegelreflex. An APSC entspricht das 50/1.4 Art einem leichten 75mm Porträt-Tele.

      Danke dir für den Besuch!

      LG
      Lars

      Antwort

      1. Hallo Lars, dann gibt es das wohl wieder nur für Pentax nicht!!! Ich habe mir wirklich für das falsche System entschieden.. ;-/
        Liebe Grüße
        Katja

      2. Hallo Katja,

        leider ist das K-Bajonett das einzige, für das es das 50/1.4 Art nicht gibt. Es gibt sogar eine Sony-Version, nur Pentax nicht. :-/

        LG
        Lars

      3. Hallo Lars, das ist leider nix neues für mich.. In letzter Zeit gibt es viele gute Objektive von Fremherstellern wie Sigma und Tamron nicht für das K-Bajonett. Schade. Denn gerade bei Pentax – wo gute Objektive selten sind – hätte ich mich über die ein oder andere Alternative gefreut.
        LG Katja

      4. Hallo Katja,

        anscheinend hat Pentax einen zu kleinen Marktanteil, sodass es sich für Fremdhersteller nicht lohnt Spezialobjektive anzubieten. Dazu kommt, wie man hier lesen kann, dass die für Pentax typische Blendenmechanik einen breiteren Objektivtubus voraussetzt. Deswegen können Art, Sports und Contemporary Objektive nicht umgerüstet werden („Anschluss-Wechsel-Service“), sofern sie nicht von Anfang an mit K-Bajonett angeboten werden. Anscheinend geht das Ganze über einen reinen Anschlusswechsel weit hinaus.

      5. Hallo Lars, das ist in der Tat so. Die eingeschworene Pentax-Gemeinschaft ist in der Tat recht klein, zumindest im Vergleich zu Canon/Nikon. Trotzdem frage ich mich manchmal, wie groß der Entwicklungsaufwand sein muss, dass Objektive (auch teurere) nicht für Pentax angeboten werden. Aber deswegen das System zu wechseln – ich überlege noch! 😉
        LG
        Katja

      6. Hallo Katja,

        welche Objektive fehlen dir bei Pentax? Ein 50mm sicherlich nicht, oder?
        Den Entwicklungsaufwand vermag ich nicht einzuschätzen, da die Möglichkeit ihn wieder „einzuspielen“ und einen Gewinn zu machen von den Stückzahlen abhängig ist. Es ist nämlich nicht das gleiche die Entwicklungskosten auf 10.000 und 1.000 Einheiten eines Produkts aufteilen zu müssen. Auch nicht wenn die Produkte sehr ähnlich sind. Im Thread, den ich verlinkt habe, steht doch, dass die Blende, die für die Kompatibilität mit dem Pentax-Anschluss nötig ist, einen breiteren Objektiv-Tubus voraussetzt. D.h. bei Objektiven, die Sigma auch für Pentax anbietet, ist der Tubus in der Canon/Nikon/Sony/Sigma-Version unnötig überdimensioniert und treibt den Preis ein kleines bisschen in die Höhe. Dazu kommen die Kosten für das Herstellen/Kaufen und Lagern der speziellen Blenden für Pentax. So trivial ist das Ganze also nicht.

        LG
        Lars

      7. Hallo Lars, das 50 mm habe ich natürlich! Keine Frage. Ist auch DAS Objektiv, welches ich neben meinem 100 mm Makro am meisten nutze. Von daher bin ich auch erstmal versorgt. Und – wie wir wissen – ist ein teureres Objektiv kein Garant für bessere Bilder. Ich wäre trotzdem dafür, dass auch mal jemand an die Pentax-User denkt. Die Entwicklungskosten müssen dann halt über die Canon/Nikon-Verkäufe wieder eingeholt werden 😉
        LG
        Katja

      8. Ich wäre trotzdem dafür, dass auch mal jemand an die Pentax-User denkt.

        Wie ich finde, ist es am wichtisten, dass Pentax in die Puschen kommt. Die bevorstehende KB-Kamera könnte für einen Zufluss neuer K-Mount-Nutzer sorgen. Das würde auch die Dritthersteller dazu bewegen weitere Objektive für den Anschluss anzubieten.

        Die Entwicklungskosten müssen dann halt über die Canon/Nikon-Verkäufe wieder eingeholt werden 😉

        Mir wäre das Recht. 😉

        LG
        Lars

      9. Auf die KB-Variante bin ich auch schon gespannt. 🙂

      10. Auf die KB-Variante bin ich auch schon gespannt. 🙂

        Bis Ende 2015 hältst du es sicherlich aus. 😉

  2. […] zu halten. Das liegt nicht nur am sehr ähnlichen Aussehen der drei DG-Arts (24/1.4, 35/1.4 und 50/1.4), sondern auch an ihrer sehr guten […]

    Antwort

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