Das Urheberrecht und der Fall Richard Prince


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Habt ihr schon vom kontroversen US-amerikanischen Maler und Fotografen Richard Prince gehört? Falls nicht, er ist ein bekannter Vertreter der Appropriation Art – unter Fotografen berüchtigt dafür Werke anderer Künstler nur minimal zu ändern und sie buchstäblich als seine eigenen zu verkaufen.

Man würde meinen, dass solches Vorgehen gegen das Urheberrecht verstoßen würde, wie man aber am Beispiel des Rechtsfalls Cariou v. Prince sieht – welcher nach langem Hin und Her im Frühling 2014 mit einer Einigung zum Abschluss gebracht wurde – sind sich auch die Gerichte in den USA darüber uneinig, ob Princes Arbeiten Plagiate oder selbstständige Werke sind. Unten habe ich ein Beispiel eingefügt, damit ihr euch ein Bild davon machen könnt, wie Prince fremde Werke verändert. Links seht ihr das Foto vom Fotografen Patrick Cariou, so wie es in 2000 in seinem Fotobuch Yes, Rasta abgedruckt wurde; rechts die Veränderung seitens Prince. Ich denke, es leuchtet einem sofort ein, wieso Cariou Prince in 2009 verklagt hat.

Cariou-vs-Prince-Yes-Rasta

Quelle: petapixel.com


Während man beim obigen Foto noch darüber streiten könnte, ob es ein Plagiat oder ein selbstständiges Werk darstellt – schließlich hat Prince das Foto ein klitzekleines bisschen verändert – ist die Sache bei seiner neusten Fotoserie „New Portraits“ eindeutig. Es handelt sich nämlich um 38 Screenshots, die sowohl Fotos anderer User auf Instagram, als auch das Kommentarfeld inkl. eines oder mehrerer Kommentare von Prince umfassen. Die Screenshots wurden anschließend hochskaliert, gedruckt und in der weltbekannten Gagosian-Galerie, in New York, ausgestellt. Angeblich wurden einige dieser Drucke für über $100.000 verkauft, die Fotografen, die die eigentlichen Fotos aufgenommen und auf Instagram hochgeladen haben – wo sie dann seitens Prince „appropriiert“ wurden – wurden weder gefragt noch entschädigt. Hier eines der „New Portraits“ von Prince und darunter das Original von Doe Deere:

Falls man der Beschreibung Glauben schenken kann, wurde dieses Bild während der „VIP preview“ für $90.000 verkauft. Weitere Infos findet ihr auf diyphotography.net.

Was denkt ihr, kann so etwas wirklich „Fair Use“ sein?

  1. Die Rechtsprechung in solchen Fällen ist oft widersprüchlich. Und dass sich die Amerikaner durchaus ihre eigene Rechtsprechung zurechtzimmern – die für uns Europäer auch nicht immer nachvollziehbar ist – ist auch bekannt. Auch in Deutschland gibt es differenzierte Entscheidungen – mal für mal gegen den Ur-Urheber. Für mein Empfinden ist das trotzdem eine Frechheit, sich an den Werken anderer zu vergreifen. Mich würde schon interessieren, was dieser „Künstler“ sagen würde wenn mit einer kleinen Veränderung seiner „Werke“ jemand anderer Geld verdienen würde. Aber da ich kein Advokat bin kann nur mein persönliches Empfinden entscheiden. LG Wolfgang

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    1. Mich würde schon interessieren, was dieser “Künstler” sagen würde wenn mit einer kleinen Veränderung seiner “Werke” jemand anderer Geld verdienen würde. Aber da ich kein Advokat bin kann nur mein persönliches Empfinden entscheiden. LG Wolfgang

      Wenn ich mich nicht irre, ist er sehr wohlhabend, was sicherlich auch der Grund ist, wieso ihn bisher nur wenige Künstler verklagt haben. Bekanntlich bedeutet Recht zu haben nicht automatisch, dass man auch Recht bekommen kann. Besonders dann nicht, wenn sich derjenige, den man verklagen möchte, notfalls leisten könnte die teuersten Anwälte des Landes zu engagieren, und zwar die nächsten 10 Jahre über.
      Auf mich macht Prince den Eindruck eines skrupellosen Geschäftsmannes. Mich würde daher überhaupt nicht wundern, wenn er in dem von dir geschilderten Fall sofort vors Gericht ziehen würde.

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      1. Ja, das denke ich auch …

  2. Für mich ist das Schmarotzertum, egal wie die Rechtsprechung ist.

    Bedeutungen:

    [1] faule Person, die vom Geld, von der Arbeit anderer lebt

    Antwort

  3. Das erinnert mich an einen recht erbitterten Streit zweier Fotografen in einer deutschsprachigen Zeitschrift – der eine wurde Preisträger mit den fast exakt nachgebildeten Motiv des anderen. Inhalt ganz grob, der Preisträger verteidigt sich damit, dass es kein Plagiat sei, weil er ja eigentlich nur – wie bei diversen Postkarten – ein bekanntes Thema neu ablichtete. Die Vergleichsfotos waren aber sehr nah an einem „Spiegelbild“. Für mich sind Grenzen spätestens da überschritten, wo sich jemand Geld und Ruhm durch die eigentliche Idee/ Leistung eines anderen erschleicht. Knallhart in der Musik, wo ja schon Sequenzen herangezogen werden, die Laien kaum erkennen würden.
    ABER, wo man viel Geld erhält (ich spreche bewusst nicht vom VERDIENEN), da hören so ziemlich alle Freundschaften auf. LEIDER!
    Und was o.g. „Künstler“ treibt ist nichts weiter, als Diebstahl an den Ideen/ Werken anderer Schöpfer.

    Antwort

    1. Für mich sind Grenzen spätestens da überschritten, wo sich jemand Geld und Ruhm durch die eigentliche Idee/ Leistung eines anderen erschleicht. Knallhart in der Musik, wo ja schon Sequenzen herangezogen werden, die Laien kaum erkennen würden.
      ABER, wo man viel Geld erhält (ich spreche bewusst nicht vom VERDIENEN), da hören so ziemlich alle Freundschaften auf. LEIDER!

      Da sind wir einer Meinung. Was mich stört, ist dass diese „Appropriation-Künstler“ immer weider mit der Ausrede „Kunst“ davonkommen. Wo ist aber der Unterschied zwischen dieser Art von Kunst, wo so viel Geld drin steckt, und der kommerziellen Nutzung eines Bildes? Egal ob ein Unternehmen oder der Richard Prince mein Foto stehlt, beide sind nur auf das Geld aus. Wozu also die gesetzliche Differenzierung? Das Ganze macht auf mich den Eindruck einer riesigen Gesetzeslücke, die der Gesetzgeber schnellstmöglich schließen sollte.

      Antwort

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