Foveon Workflow: auf der Suche nach dem Blaukanal-Trick für die Quattros


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Der „Blaukanal-Trick“ ist ein Workflow in Sigma Photo Pro (SPP), der den nutzbaren Empfindlichkeitsbereich des Merrill-Foveon-Sensors deutlich nach oben erweitert. Der „Trick“ ist eigentlich keiner, denn man nutzt die Werkzeuge, über die SPP ohnehin verfügt und die leicht zu finden sind. Das einzige was man tun muss, ist im Schwarzweiß-Modul des Konverters – im Farbmischer-Werkzeug, um genau zu sein – den Farbkreis am äußersten Rand des blauen Bereiches anzuklicken, sodass B 100% anzeigt wird. Das Ganze funktioniert allerdings nur, falls man die Fotos in Schwarz-Weiß umwandelt.

Farbmischer-Blaukanal

Diese Einstellung gibt dem Konverter Bescheid, dass er nur die Bildinformation aus dem Blaukanal – oft auch Blauschicht genannt – im Zuge der Umwandlung in SW berücksichtigen sollte. Beim dreilagigen Foveon-Sensor befindet sich die „Blauschicht“ (eigentlich erkennt sie viel mehr als nur den blauen Lichtanteil) ganz oben, auf der dem Objektiv zugewandten Seite, absorbiert so das meiste Licht, und hat folglich das beste Signal-Rausch-Verhältnis.

Leider lässt sich der „Blaukanal-Trick“ nicht auf die X3F-Dateien der Quattro-Kameras anwenden. Ob das an einer Sensor- oder SPP-seitigen Einschränkung liegt, lässt sich derzeit nicht sagen.

Ich gehöre zu denjenigen, die in jeder Herausforderung eine Chance sehen – in diesem Fall, eine Chance etwas Neues zu lernen. Aus diesem Grund habe ich in den letzten Tagen nach einem Blaukanal-Trick für die Quattros gesucht. Von mehreren getesteten Programmen kam ich mit RawDigger am nächsten an das gewünschte Ergebnis heran. RawDigger hat eine Funktion, die es sehr interessant macht: es kann einzelne Farbkanäle aus RAWs und X3Fs extrahieren und diese als TIFF-Dateien speichern.

RawDigger

Die Fotos, die in SPP und RawDigger/Lightroom entwickelt wurden, könnt ihr euch auf Flickr in voller Auflösung anschauen. Zunächst möchte ich aber näher auf die jeweiligen Workflows eingehen. Ich habe drei High-ISO X3Fs der DP2 Quattro (ISO1600, 3200 und 6400) zunächst mit den unten zu sehenden Einstellungen in SPPs Schwarzweiß-Modul entwickelt.

Settings-SPP-2Settings-SPP-1

Die gleichen drei Fotos habe ich dann in RawDigger geladen und jeweils die Blauschicht extrahiert und als TIFF gespeichert. Diese TIFF-Dateien habe ich anschließend in Lightroom importiert, wo ich im Modul „Grundeinstellungen“ sehr lange mit den Reglern Belichtung, Schatten und Weiß herumspielen musste. Der Grund dafür liegt darin, dass der Quattro-Foveon ein so genannter ISO-loser Sensor ist. Er kennt eigentlich nur eine Empfindlichkeit, und zwar ISO300 (vielleicht ist es ISO250, schwer zu sagen). Alle anderen Empfindlichkeiten werden durch kürzere/längere Belichtungszeiten und nachheriges Aufhellen/Abdunkeln der Bilder „simuliert“. Jedenfalls sehen die TIFFs, die RawDigger erstellt, seeeehr dunkel aus – und umso dunkler, je höher die ISO-Zahl – wenn man sie mit Lightroom öffnet. Dieser Umstand macht es nötig an den bereits erwähnten Reglern zu ziehen, um die Bilder an jene aus SPP anzugleichen. So sah das mit ISO1600 aufgenommene Foto gleich nachdem ich es in LR geöffnet hatte – darunter könnt ihr die Einstellungen sehen, die ich vorgenommen habe:

Lightroom-Screenshot

Lightroom-1

Und nun möchte ich euch die Crops der in RawDigger/Lightroom (links) und in SPP (rechts) entwickelten Aufnahmen zeigen:

ISO1600-m ISO1600-s

ISO1600

ISO3200-m ISO3200-s

ISO3200

ISO6400-m ISO6400-s

ISO6400

Ich habe alle drei Farbkanäle des mit ISO6400 gemachten Fotos mittels RawDigger als TIFFs exportiert, nur um euch zu zeigen wie unterschiedlich stark die jeweilige Farbschicht rauscht.

Sigma DP2Q / ISO6400 / RawDigger Blue ChannelISO6400 /// Blaukanal
Sigma DP2Q / ISO6400 / RawDigger Green ChannelISO6400 /// Grünkanal
Sigma DP2Q / ISO6400 / RawDigger Red ChannelISO6400 /// Rotkanal

Anhand der Bilder und Crops lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

  • Die mittels RawDigger exportierten TIFFs mit der Bildinfo aus der Blauschicht haben ein weniger stark ausgeprägtes Rauschen in den mittleren Grautönen. Gefühlt beträgt der Unterschied eine halbe Blende. Aber…
  • In den besonders dunklen Bildbereichen erkennt man sehr helles Korn, welches ein bisschen an das Rauschen in langzeitbelichteten Aufnahmen ohne Dunkelbildabzug erinnert. Könnte man dieses Rauschen ohne Schärfeverlust reduzieren, würden die mittels RawDigger/LR entwickelten Aufnahmen besser als jene in SPP entwickelten aussehen. Die Luminanz-Rauschreduzierung in LR ist gegen dieses Rauschen jedoch machtlos.
  • Erhöht man die Empfindlichkeit von ISO3200 auf ISO6400, verstärkt sich das Rauschen überproportional. Wieso das so ist, kann ich nicht sagen.
  • Der Unterschied im Hinblick auf das Rauschverhalten zwischen dem Blau- und dem Rot- und Grünkanal ist gigantisch. Ich kann mir nicht erklären, wie es SPP schafft alle drei Farbkanäle so rauscharm zu verrechnen.
  • SPP macht seine Sache wirklich gut. Zwar rauschen die mittleren Grautöne etwas stärker, weg ist aber das helle Korn in den dunklen Bildbereichen, welches deutlich störender ist.

Auch diesmal würde ich euch bitten mir Feedback zu geben. Vielleicht ist euch etwas aufgefallen, was mir entgangen ist. 🙂

  1. Ich habe auch viel mit dem Blaukanal experimentiert, bin aber bei der Quattro auf keine Verbesserung gestossen. Meiner Meinung nach arbeitet Sigma/SPP bei der Quattro quasi immer mit dem Blaukanal für die Luminanz Informationen. Wie soll dies auch anders sein, bei nur 4.9 MP in den unteren Schichten. Das heisst, die unteren Schichten werden hochgerechnet auf 19.6 MP und dann mit den „echten“ 19.6MP Luminanz Informationen der „Blauschicht“ überlagert.
    Das selbe kann man mit Merrill Aufnahmen machen: Man entwickelt ein High ISO Farbbild in SPP, und das selbe noch mal im Monochrom Blaukanal.
    Das feinere, rauschärmere Monochrom Bild überlagert man nun in Photoshop im Modus „Luminanz“ auf das Farbbild und erhält ein relativ (Luminanz-)rauscharmes high ISO Farbbild.

    Bei der Quattro als besonders stören empfinde ich diese „Ameisen“ oder „Würmchen“, die, wie Du sagst, sehr schwer mit gängigen Programmen zu entfernen sind. Ich habe keine Ahnung, warum dies bei der Quattro so ausgeprägt ist. Dies ist auch der Grund, warum eine Quattro nicht mit der Merrill mithalten kann, wenn es um höhere ISO geht. Die Rauschunterdrückung schlägt hier einfach nicht an, weil dies für echte Information gehalten wird.
    Ich habe meinen Test von damals (DP2m vs. DP2Q) bei high ISO noch mal wiederholt mit der SD1 gegen die DP0Q, beide bei 14mm und kam auf das selbe Ergebnis. Die Merrill ist Rauschärmer, und zwar in Luminanz und Farbrauschen, beziehungsweise, die Quattro entsättigt so stark, dass sie in einigen Bildbereichen Schwarz/weiss wird. (Hier zeigt die Merrill zwar Farbwolken, aber eben auch noch gewisse Farben.)

    Antwort

    1. Ich habe auch viel mit dem Blaukanal experimentiert, bin aber bei der Quattro auf keine Verbesserung gestossen. Meiner Meinung nach arbeitet Sigma/SPP bei der Quattro quasi immer mit dem Blaukanal für die Luminanz Informationen. Wie soll dies auch anders sein, bei nur 4.9 MP in den unteren Schichten. Das heisst, die unteren Schichten werden hochgerechnet auf 19.6 MP und dann mit den “echten” 19.6MP Luminanz Informationen der “Blauschicht” überlagert.

      Die Tonwerte verändern sich jedoch, wenn man im Schwarz-Weiß-Modul zwischen den Farbkanälen wechselt. Das bedeutet, dass nicht nur mit dem Blaukanal gearbeitet wird. Und SW besteht nur aus Luminanz-Informationen.

      Das selbe kann man mit Merrill Aufnahmen machen: Man entwickelt ein High ISO Farbbild in SPP, und das selbe noch mal im Monochrom Blaukanal.
      Das feinere, rauschärmere Monochrom Bild überlagert man nun in Photoshop im Modus “Luminanz” auf das Farbbild und erhält ein relativ (Luminanz-)rauscharmes high ISO Farbbild.

      Ich habe schon davon gehört, habe es aber noch nicht selbst ausprobiert. Ich kann mir nicht erklären wieso das funktioniert. Schließlich wird ein Farbbild aus drei monochromen Bildern errechnet. Die Luminanz-Info aus dem Blaukanal ist also bereits drin, oder?

      Bei der Quattro als besonders stören empfinde ich diese “Ameisen” oder “Würmchen”, die, wie Du sagst, sehr schwer mit gängigen Programmen zu entfernen sind.

      Ich meine aber etwas anderes. Klicke auf die Crops, falls Du das nicht bereits getan hast, und vergleiche die dunklen Bildbereiche. Es sind keine „Ameisen“ oder „Würmchen“, sondern vereinzeltes, sehr helles Luminanzrauschen.

      Ich habe keine Ahnung, warum dies bei der Quattro so ausgeprägt ist. Dies ist auch der Grund, warum eine Quattro nicht mit der Merrill mithalten kann, wenn es um höhere ISO geht. Die Rauschunterdrückung schlägt hier einfach nicht an, weil dies für echte Information gehalten wird.
      Ich habe meinen Test von damals (DP2m vs. DP2Q) bei high ISO noch mal wiederholt mit der SD1 gegen die DP0Q, beide bei 14mm und kam auf das selbe Ergebnis. Die Merrill ist Rauschärmer, und zwar in Luminanz und Farbrauschen, beziehungsweise, die Quattro entsättigt so stark, dass sie in einigen Bildbereichen Schwarz/weiss wird. (Hier zeigt die Merrill zwar Farbwolken, aber eben auch noch gewisse Farben.)

      Die Quattro hat stärker ausgeprägtes Luminanzrauschen, das stimmt. Hinsichtlich des Farbrauschens denke ich nicht, dass die Merrill einen Vorteil hat. Ich hoffe aber, dass mit der nächsten SPP-Version das Problem mit der Entsättigung gelöst wird.

      Antwort

  2. […] der Blaukanal-Trick mit Quattro-X3Fs nicht funktioniert, habe ich vor einer Woche versucht herauszufinden, ob es eine Alternative zu SPP und diesem Workflow gibt. Zur Erinnerung: […]

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