Geteilte Welten


Letztens bin ich zufällig auf einen, meiner Meinung nach, ausgesprochen faszinierenden Fotografen gestoßen, der eine Art kreatives fotografisches Puzzle komponiert, die er aus bereits bestehenden berühmten Orten und Objekten erschafft, aus denen er neue Welten und Ansichten baut. Ein Beispiel dafür ist der Grand Canyon als Modell. Um euch diese inspirierende Persönlichkeit nicht vorzuenthalten, werdet ihr im folgenden Artikel einen kurzen Einblick in sein Schaffen und seine Herangehens- und Denkweisen bekommen. Viel Spaß beim Lesen.

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Der Name des fotografischen Virtuosen ist Thomas Kellner, er ist Dekonstrukteur und gleichzeitig Rekonstrukteur. Mit seinem Namen fallen gleichzeitig Begriffe wie „radikaler Konstruktivismus“, oder „kubistische Orchestrierung“. Der aus Deutschland stammende Fotograf arbeitet ausschließlich analog und fertigt seine Kunstwerke aus Kontaktabzügen an.  Normalerweise stellen berühmte Bauwerke die Modelle von Kellner dar.

Thomas Kellner benützt Notizblöcke als Stütze seiner Vorstellungen. Er zeichnet darauf Gitter auf, die ihm helfen, die Motive in einzelne Bilder zu zerlegen.  Sein Werkzeug ist eine Pentax MZS, die er mit Kodak-Kleinbildfilmen füttert, mit jeweils 36 Aufnahmen pro Film. Darauf geschraubt ist stets ein 80-320mm Zoomobjektiv.

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Thomas Kellners Workflow funktioniert so, dass er mit seiner Kamera wie bei einem Scanner über seine Modelle fährt. Um zum Beispiel den Eiffelturm zu fotografieren, legte er zuerst eine Bleistiftskizze mit einem Gitter mit 36 Feldern an. Jedes Fenster steht für jeweils ein Foto eines Films. Nach diesem Raster fotografierte er das populäre französische Wahrzeichen von links nach rechts und von unten nach oben ab. Damit er seine Position beibehalten konnte, verwendete er ein Stativ, einzig die Kamera änderte dabei ihre Blickrichtung. Nach der Fertigstellung der Fotografien kommt als nächster Schritt der Entwicklungsprozess. Ist dieser vollendet, fertigt Kellner aus den Negativen Kontaktabzüge an. Diese ergeben das Endprodukt des Künstlers, ein durchkomponiertes Bild, ein real existierendes Objekt oder Motiv, das er eben zuerst dekonstruieren musste, um es zu rekonstruieren und etwas Neues, Spannendes daraus zu schaffen. Etwas, das entfremdet und durch die Anordnungen und die Komposition der Bildausschnitte zu etwas Einzigartigem wurde. Erkennen kann man das abfotografierte Original-Motiv dabei jedoch immer noch.

Da Kellner die kleinen Fotos (pro Bild 24x36mm) auf den Kontaktbögen nie vergrößert, verwendet er oft mehrere Filme pro Motiv, um am Ende durch das Zusammenfügen mehrerer Kontaktabzüge ein umfangreicheres Gesamtbild kreieren zu können.

Vor kurzem hat er sich aus seinem Metier, dem Fotografieren von statischen Objekten, herausgewagt und ein für ihn ungewöhnliches, aber sehr besonderes Shooting gemacht. Er fotografierte den 24-jährigen Philip Milojevic für ein Mode-Editorial. Dieses Unterfangen war vor allem für das Model schwierig, da er stundenlang in denselben Posen ausharren musste. Bereitete ihm sein Körper doch Probleme, mussten die Aufnahmeserien immer wieder kurz unterbrochen werden, um ihm Zeit für Dehnübungen einzuräumen. Bei der Fortsetzung des Shootings musste er dann allerdings wieder jedes Mal wieder zurück in seine Position finden.

Thomas Kellner begründet seinen außergewöhnlichen Stil und seine individuelle, sowie kreative Technik damit, dass ein Bild nicht mit einem Blick zu erfassen sei. Er sagt, Wahrnehmung entsteht und besteht aus vielen visuellen Eindrücken. Seine fotografische Philosophie geht auf, wie man auf seinen aufwendigen Kunstwerken erkennen kann, die die Wirklichkeit entrücken und eine neue Sicht auf die bestehende Welt präsentieren.

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