Sigma sd Quattro RAW-Entwicklung: was ist besser, SPP oder Lightroom?


dng-vs-x3f

Ich habe mich recht lange mit dem DNG-Support, den die Sigma sd Quattro bietet, beschäftigt. Theoretisch betrachtet ist es selbstverständlich toll, dass man nun Sigma-RAWs in anderen Programmen entwickeln kann. Was kann man aber erwarten, wenn man mit der sd Quattro DNGs statt X3Fs schießt und diese anschließend in Lightroom entwickelt? Ist es töricht ein dem Sigma Photo Pro gleichwertiges Ergebnis zu erwarten?

Bevor wir loslegen, möchte ich euch auf die folgenden Punkte aufmerksam machen:

  • Um die Fotos so vergleichbar wie möglich zu machen, wurde die sd Quattro im M-Modus betrieben und alle relevanten Einstellungen manuell vorgenommen.
  • Aus demselben Grund wie Punkt 1 kam ein Blitzgerät zum Einsatz. Ich bin ein Naturlicht-Knipser aus Leidenschaft, aber bei solchen Test ist Blitzlicht verlässlicher.
  • Es ist so gut wie unmöglich RAWs in Lightroom und SPP so zu bearbeiten, dass sie am Ende identisch aussehen. Ich hab mir große Mühe gegeben, Weißabgleich, Belichtung, Kontrast, Schatten, Spitzlichter und Sättigung anzuggleichen.
  • Ignoriert die Schärfe und das Luminanzrauschen. Diese zwei Parameter stehen in Abhängigkeit zu einander und können Software übergreifend relativ einfach angeglichen werden. Um den Aufwand zu verringern, habe ich einfach die Standardwerte in SPP und LR verwendet: 0 im ersteren und 25 im letzteren.
  • Chroma-Rauschunterdrückung war aus, um die „Farbwolken“ besser vergleichen zu können. Anders als Schärfe / Luma-Rauschen können „Farbwolken“ nicht so einfach beseitigt werden. Diese sind einfach PITA!
  • Die in SPP entwickelten Fotos sind stetes auf der linken Seite.

 

Mikrokontrast und Farbwolken

Schauen wir uns anhand des folgenden Fotos den Mikrokontrast und die Farbwolken an.

SDIM0255

Wie man im folgenden Crop sehen kann, gibt es einen deutlichen Unterschied in puncto Mikrokontrast zwischen Sigma Photo Pro und Lightroom. Die Textur der geschälten Karotten ist im in LR entwickelten Bild (rechts) nicht so gut sichtbar, wie in jenem Bild, welches in SPP entwickelt wurde.

LR_vs_SPP_micro_contrast

Der nächste Crop verdeutlicht wie unterschiedlich sich die zwei RAW-Entwickler verhalten, wenn es um die berüchtigten Farbwolken geht. SPP zeigt deutlichere Farbwolken in jenen Bereichen, wo Farben und Helligkeitswerte relativ homogen sind, dafür gibt es keine Probleme entlang der Kanten. LR berechnet dagegen ein diametral unterschiedliches Ergebnis: sauberere Flächen und auffällige Farbwolken entlang der Kanten.

LR_vs_SPP_color_lump_noise

Farbwiedergabe

Lightrooms Farbwiedergabe ist out oft he box recht problematisch. Im folgenden Foto gibt LR im Vergleich zu SPP Orange zu grün wieder. Die Farbwahrnehmung ist jedoch sehr individuell, sodass vielen Fotografen das in LR entwickelte Foto besser gefallen wird.

LR_vs_SPP_precision_of_color_rendition

Ähnliche Abweichungen gibt es auch bei anderen Farben. Dieser Punkt ist aber m.M.n. weniger wichtig als die folgenden.

Vom Helligkeitswert abhängige Farbstiche und „Farbdehnungsstreifen“

Das Foto unten habe ich absichtlich um 2 Blenden unterbelichtet, weil ich mir anschauen wollte was passiert, wenn man im jeweiligen RAW-Entwickler die Belichtung erhöht. Das unbearbeitete Foto sieht erwartungsgemäß sehr dunkel aus.

SDIM0278

SDIM0279

Erhöht man die Belichtung um 2 EV und passt man die restlichen Einstellungen an, um ein möglichst vergleichbares Ergebnis zu erhalten, treten sehr deutliche Unterschiede zu Tage.

LR_vs_SPP_color_consistency

Erstens scheint Lightroom nicht imstande zu sein, bei Bereichen mit einer relativ homogenen Farbe die Farbe von der Helligkeit getrennt zu berechnen. Was ich damit meine, ist, dass anders als bei SPP die Tomate nicht überall rot aussieht. In den Spitzlichtern wirkt die Farbe kühler. An manchen Stellen ist es richtiges Rot (Mitteltöne), während es an anderen eine Mischung aus Rot und Orange/Grün ist. Zweitens haben tiefe Schatten einen extrem stark sichtbaren Magenta-Farbstich. Und drittens, schaut euch mal die rechte untere Ecke an. Der Bildfehler, den man nur als „Farbdehnungsstreifen“ beschreiben kann, ist nicht zu übersehen. Er ist auch in jenem Bild sichtbar, welches in SPP entwickelt wurde, aber nur wenn man gezielt nach ihm sucht.

Kommen wir aber kürz auf den ersten Punkt, die vom Helligkeitswert abhängigen Farbstiche, zurück. Um sicher zu gehen, dass diese nicht an der Unterbelichtung und anschließenden Belichtungserhöhung liegen, habe ich ein weiteres Bild normal belichtet.

LR_vs_SPP_highlight_and_shadow_color_cast

Die Farbstiche treten eindeutig auch bei reichlich belichteten und somit unproblematischen Fotos auf. Im oberen Vergleichsbild sieht man gut, dass Kiwis, die im Schatten sind, einen kühlen, während jene, die viel Licht abbekommen haben, einen grünlichen Farbstich haben.

Wiederherstellung von Spitzlichtern

Ehe ich angefangen habe Sigma Photo Pro mit Lightroom zu vergleichen, hätte ich wetten können, dass es in puncto Spitzlichterwiederherstellung die deutlichsten Unterschiede geben würde. Entgegen meinen Erwartungen sind SPP und LR in dieser Hinsicht gleich gut. Damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt, habe ich ein DNG und ein X3F um ungefähr 1,67 EVs überbelichtet aufgenommen.

SDIM0266

Anschließend habe ich die Belichtung und andere Regler angepasst, um ein vergleichbares Ergebnis zu erhalten.

SDIM0265

Im direkten Vergleich (SPP links; LR rechts) sieht es dann so aus:

LR_vs_SPP_highlight_recovery

Der Bereich, in dem Details fehlen, ist in beiden Fotos identisch groß.

Fazit

Wir Sigma-Nutzer sind stets auf der Suche nach einer schnelleren SPP-Alternative. Der DNG-Support machte uns Hoffnung, dass wir künftig unsere RAWs in Lightroom und anderen mit dem DNG-Format kompatiblen RAW-Entwicklern bearbeiten werden können. LR und ähnliche Entwickler bieten schließlich den Vorteil besonders schnell und ein unverzichtbarer Bestandteil des Workflows zu sein, sofern man auch mit Bayer-Kameras fotografiert. Leider scheitert Lightroom auf ganzer Linie. Die DNGs, welche man damit entwickelt, haben weniger Mikrokontrast und eine Fülle an unterschiedlichen Bildfehlern, angefangen von Farbwolken entlang der Kanten, über Farbstiche, bis hin zu „Farbdehnungsstreifen“.

Sigma Photo Pro bleibt somit der mit Abstand beste, wenn auch langsamste, RAW-Entwickler für Sigma-Kameras.

Bei Flickr könnt ihr euch die Fotos in voller Auflösung anschauen.

SDIM0280

 

  1. Jean Pierre Simonetta 27. November 2017 um 19:43

    Hallo Lars,
    Toll, dass du dich wieder einmal mit den RAW-Entwicklung befasst hast. Nun ja, seit über 5 Jahren gibt es für den Foveon nichts besseres als SPP! Wenn jemand wirklich das Beste herausholen will, dann gibt es keine Alternative.
    Vorschlag. Kaufe oder lasse einen PC zusammenstellen, wo nur SPP läuft! Dann wird es sicher schneller laufen. Müsstes mit einem IT-Crack reden. Denke, aber, dass es heutzutage die „Superschnellen“ PC es schaffen sollten. Aber, Achtung: Wirklich NUR SPP installieren, sonst nichts!! Und soviel RAM wie möglich.
    Habe leider Sigma verlassen! Werde mir aber einmal die SD Quattro H ausleihen! Muss unglaublich sein.
    Gruss Jean Pierre

    Antwort

    1. Hallo Jean!

      Volle Zustimmung. Ich hab in all den Jahren so einige Alternativen ausprobiert und SPP war und ist auch heute noch der beste RAW-Entwickler für Sigma. Ich bin derzeit am Überlegen mir einen neuen PC anzuschaffen. Ich dachte so an einen 6- oder 8-Kerner von AMD und mindestens 16GB RAM. Aber nur SPP zu installieren ist für mich keine Option, da ich auch andere SW brauche. Schade dass du nicht länger mit Foveon fotografierst. So wie sich aber dein Kommentar anhört, kommst du sicherlich sehr bald zurück. Smiley

      Gruß
      Lars

      Antwort

      1. Jean Pierre Simonetta 30. November 2017 um 18:57

        Danke Lars, Oh, Es würde sich lohnen für den SPP einen eigenen PC zu haben. 128 oder noch mehr RAM würde ich nehmen und einen schnellen Rechner. Muss nicht unbedingt den aller neusten sein. Ein guter IT-Mensch kann dich da gut beraten. Und es gibt so viele PC, die auf den Müll landen. Da könntest du ja sogar einen ohne etwas zu bezahlen, oder sehr wenig. Dann ab in das Tuning!!!
        Da du ja immer noch Sigma Kamera hast, lohnt sich diese Inverstition. Manchmal glaubt man mit einem neueren PC zu hoffen, das SPP schneller läuft. Vergiss es. Ich habe es ausprobiert. Ich habe 3 mal MAC updated. Es hat nicht viel gebracht. Denn SPP frisst so viel RAM, dass es sich sicher lohnen würde.

        Und du kannst ja das SPP-Programm auf einem Memory-Stick zum IT-Mensch mit nehmen.
        Oder vielleicht gibt es einen PC-Doktor in der Gegend.

        Du wirst sehen, wie dann SPP plötzlich brauchbarer wird.
        Gruss JP

      2. Hallo Jean!

        Ich werde darüber nachdenken. Aber sind 128GB nicht viel zu viel?
        Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Consumer-Software etwas damit anfangen kann. Hast du das getestet?

        Gruß

      3. Jean Pierre Simonetta 9. Dezember 2017 um 09:41

        Hallo Lars,
        Nun, eine ausführliche Antwort kann ich nicht schreiben. Es ist sehr komplex das Ganze. Man muss unterscheiden, ob jemand Windows oder Mac hat. Dann wie viele Programme installiert sind, wie viele andere Hardware-Komponente angehängt sind, etc. etc. Ach, ja, der Bildschirm spielt auch noch eine wichtige Rolle bei der Geschwindigkeit!
        Habe alles dies getestet mit Windows, MAC und LINUX Computer!

        Kurz: Bei Windows, wie auch bei Mac werden die Programme (egal ob es Consumer oder sonst sind) immer auf dem Harddisk abgespeichert. Beim Doppelklick wird das Programm „geweckt“ und in das RAM kopiert und danach geöffnet und man sieht die Programm-Benutzer-Oberfläche auf dem Bildschirm. ACHTUNG: Ein Teil des Programms bleibt aber auf dem Harddisk. Das machen die Programmierer so, damit nebenbei noch andere Programme laufen können, um die RAM-Kapazität zu „schonen“. …..

        Am Rande bemerkt: der schnellste Computer ist in der Schweiz und besteht aus 1000 PC! (kein einzelner) Seine Rechenoperation ist unglaublich schnell. Sogar die Leute im CERN in Genf sind auf diesen Rechner der Universität Zürich eifersüchtig. Eine Auswertung nach einem Protonenversuch dauert so ungefähr 2 Tage, bis alle Daten auf dem Computer verfügbar sind. Cern hat nicht den schnellsten Rechner.

        Da die „Auswertung“ der RAW-Daten der X3F-files viel Rechenaufwand benötigen, braucht es einen schnellen Computer oder mehrere Computer.
        Aber lassen wir es mit einem. Wie bereits geschrieben:

        Mein Vorschlag:

        64 GB RAM Quad-Channel DDR4 (Achtung muss mit dem Takt und Prozessor AMD oder Intel übereinstimmen), eine SSD-Harddisk, Windows 7 oder 10. Eine Graphikkarte für den Bildschirm. Auch hier eine gute Kombination zu finden, rsp. die Grafikkarte sollte den Bildschirm maximal steuern, ohne Verzögerung. Und zuletzt noch die Tastatur.
        Bei der Installation von Windows alles unnötige ausschalten, rsp. nicht installieren. Dann NUR SPP installieren.

        Oder du kaufst dir einen GAME-PC, oder einen älteren PC und ersetzt die RAM und den Harddisk durch einen SSD!

        Heute habe ich nochmals einen Test gemacht. X3F-File Hi-Res von der Quattro H mit SPP 6.5.5. Mein Mac-Mini mit folgender Hardware: 3 GHz Intel Core i7, 16 GB 1600 MHz DDR3 RAM, 251 SSD-Harddisk, Intel Iris 1536 MB Grafikkarte mit Monitor Benq SW2700 (2560×1440). Ohne Monitor kostet der iMac Mini ca. 1000 Euro.

        Resultat:
        Beim Aufstarten des Programmes öffnet sich die X3F Datei (71.6 MB) schnell (3 Sekunden).
        Bei jeder Aenderung/Anpassung des Bildes, wie Weissabgleich, Schärfe, etc. braucht es ca. 10 Sekunden bis 15 Sekunden, je nach dem, was ich anpasse.
        Beim Abspeichern als TIFF oder JPEG braucht es 6 Sekunden!

        Die Geschwindigkeit für die Bearbeitung von wenigen einzelnen Bildern ist für mich OK. Wenn es aber mehrere Bilder sein sollten, dann müsstest du es über die Batch-Verarbeitung und über Nacht laufen lassen!? Aber, dann hast du nicht die Kontrolle über die einzelnen Bildern!!
        Beachte, dass ich auf diesem Mac, 30 Software installiert habe, darunter auch Adobe Photoshop, dass im Hintergrund viel RAM frisst! Auch andere Software sind im „Schlafmodus“ im RAM!!
        Vermutlich läuft SPP6 noch schneller, wenn keine andere Programme installiert sind. ACHTUNG: Bei jeder Veränderung der Anpassungen läuft der CPU auf Hochtouren.
        Bei meinem Mac auf über 350%!!!! Also, hier ist der Beweis. SPP braucht sehr sehr viel Rechenaufwand und auch RAM.
        Somit braucht SPP einen schnellen Prozessor und viel RAM und sollte nur als EINZIGES Programm laufen!!!

        Uebrigens:
        Die Qualität der Bilder von der Quattro H mit Hi-Res sind schon überragend! Ja, der Foveon ist einfach Klasse!! Und Sigma hat mit den ART-Objektive das Maximum heraus geholt und bietet somit Topqualität für Bildaufnahmen!

        Gruss
        Jean Pierre

  2. Hallo Lars,
    vielen Dank für den Vergleich!
    Seit die DNG-Option zur Verfügung steht benutze ich eigentlich nur noch diese. Ich werde mich nach Deinem Vergleich aber nochmal mit SPP beschäftigen.

    Gruß
    Christian

    Antwort

    1. Hey Christian! 🙂

      Nichts zu danken! LR ist schneller und besser “streamlined”, aber der Output ist zweifellos schlechter. Experimentiere ein bisschen mit SPP und entscheide ob sich der Wechsel für Dich lohnen würde.

      Gruß
      Lars

      Antwort

    2. Jean Pierre Simonetta 30. November 2017 um 19:00

      Christian, vergiss nicht, dass die Sigma Kamera BEREITS eine Dekodierung machen muss für DNG-Datei.
      Wenn du mehr über DNG wissen möchtest, dann gehe auf die Seite von Adobe Photoshop und gib im Suchfenster DNG! Du wirst erstaunt sein, was für verschiedene „Arten“ von DNG gibt.
      Die Kenner machen NIE DNG, rsp. Konvertieren zu DNG mit Adobe-DNG Converter Software. Nur, wenn es für eine nicht so wichtige Auflösung, dann hilft es die Dateien zu verkleinern.
      Sonst, gehen viele Kontraste und Farbräume verloren.

      SPP ist und bleibt das Beste für Foveon-Kameras! Leider.
      Gruss
      Jean Pierre

      Antwort

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