„Dinge, die mich beim Fotografieren stören“ oder „Die Foto-Flut“

Durch Facebook, Instagram und Co. ist nun jeder in der Lage, Selfies von sich anzufertigen. Und dies wird in einem noch nie dagewesenen Ausmaß genutzt und geteilt. Dabei entstehen Milliarden von Aufnahmen, die ohne nennenswerten Hintergedanken produziert werden.


 Die Fotografie ist mein liebstes Hobby. Situationen und Szenarien festzuhalten und diese nach Jahren wieder hervorzukramen macht mir Spaß. Mich amüsieren besonders Personen, die sich darüber ärgern, abgelichtet zu werden, aber die sich nach Jahren beschweren, dass es so wenig Erinnerungsfotos von ihnen gibt. Doch so verhalten sich – zumindest in meinem Umfeld – sehr viele.

Meistens trifft diese Einstellung Personen, die sich in ihrem Aussehen und ihrer Art für nichts zu genieren brauchen. Diese Zielgruppe möchte am wenigsten fotografiert werden. Leute hingegen, die eher hinter der Linse bleiben sollten – oder sagen wir lieber: die eher nicht die fotogensten sind – brüsten sich vor der Linse und wollen immer noch ein Foto und noch ein Bild.

Nun gab es in den letzten Jahren eine Umstellung, was die Fotografie hart getroffen hat. Durch Facebook, Instagram und Co. ist nun jeder in der Lage, Selfies von sich anzufertigen. Und dies wird in einem noch nie dagewesenen Ausmaß genutzt und geteilt. Dabei entstehen Milliarden von Aufnahmen, die ohne nennenswerten Hintergedanken produziert werden. Viele glauben dadurch, ihren Narzissmus zu befriedigen. Was vor mehr als 15 Jahren mit dem sozialen Netzwerk fotocommunity.de begann, wo noch sehr viel mehr ein künstlerischer, zumindest gewollter Aspekt im Hintergrund war, gerät bei Instagram völlig aus den Fugen.

Die Flut der geschossenen Bilder weltweit, auf unzähligen Plattformen, erschwert es Leuten, die wirklich an der Fotografie interessiert sind, die richtigen Inspirationsquellen zu finden. Auch mir geht es so. Dabei will ich gar nicht erst behaupten, dass eine DSLR-Kamera der heilige Gral der ernstgenommenen Fotografie sein muss. Auch mit einer Smartphone-Kamera kann man Komposition und perfekte Momente miteinander mischen, abstimmen und ein Ergebnis erzielen, das vielen als Inbegriff der Kunst zu Teil wird.

Es wird sich erst zeigen, wie sich die Fotografie weiterentwickelt. Denn jeder kann sie inzwischen ausüben und man benötigt keine speziellen Kenntnisse der Physik, des Lichts und der Kameramechanik. Ich will aber in diesem Fall kein Pessimist sein und denke, dass „Digital Natives“ mehr den Umgang mit der Qualität erlernen werden anstatt den mit der Quantität.

Ein wenig Zeit wird es brauchen, um zu wissen: Man hat jederzeit eine Kamera in der Tasche dabei, muss aber nicht alle zehn Minuten damit fotografieren und Dinge belichten, die völlig aus dem Kontext gerissen sind und nichts aussagen. Es gab zwar schon immer schlechte Fotografie, aber diese hat meiner Meinung nach auch eine Berechtigung, solange sie nicht als gute Arbeit gesehen oder im Rahmen einer Ausstellung gezeigt wird, die genau darauf hinweist.

Die Zukunft kann kommen. Nicht die Technologie entscheidet mehr die Weiterentwicklung der Fotografie, sondern der User selbst, der sie bedient bzw. sich von ihr bedienen lässt.

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