WILLIAM PAUL GOTTLIEB


William Paul Gottlieb, geboren 1917, war einer der bedeutendsten Musikjournalisten und Fotografen seiner Zeit. Der gebürtige New Yorker war sein ganzes Leben ein großer Liebhaber des Jazz.

Nach ein paar Monaten bei der „Washington Post“, wo er 1938 als Anzeigenvertreter begann, wurde er schnell befördert und begann eine Jazz-Kolumne für die Sonntagsausgaben zu schreiben. Da es kein Budget für die passenden Fotos zu seiner Kolumne gab und er somit auf sich alleine gestellt war, borgte er sich die Kamera eines Kollegen aus und machte fortan seine eigenen Bilder. Er dokumentierte Konzerte in den verrauchten Jazzclubs von New York, wo er schnell zum angesehenen Stammgast wurde. Für Gottlieb war Jazz auch ein visuelles Medium. Schnell erkannte er, wie wichtig Fotografie war und wie sie seinen Texten Leben einhauchte. Nach einem Wirtschaftsstudium und den stürmischen Jahren des Zweiten Weltkriegs, in denen er in der Army Air Force diente und auch zeitweise fotografierte, zog es ihn doch wieder in Richtung Journalismus. Er arbeitete für bekannte Musik-/Jazz-Magazine wie „Down Beat“ und „Metronome“, bis er sich 1948 komplett aus der Welt des Journalismus zurückzog und das verrückte Nachtleben gegen einen ruhigen Familienalltag eintauschte.

Nicht nur musikalisch, sondern auch in fotografischer Hinsicht befand man sich in einer Zeit der Umbrüche. Gottlieb und eine Handvoll anderer Fotografen fanden sich am Beginn einer Revolution, was die Darstellung von Musikern anbelangte.

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Gottlieb arbeitete hart daran, die Individualität und ihren einzigartigen Style der unterschiedlichsten Musiker zu vermitteln. In seinen Texten beschreibt er die Persönlichkeit der Musiker. Seine Fotos sollten seine Kolumnen vervollständigen und die Worte visuell widerspiegeln. Er experimentiert mit ausgefallenen Perspektiven und kommt den Musikern extrem nahe. Teilweise steht er mit ihnen auf der Bühne und fängt Schnappschüsse aus Positionen ein, die dem einfachen Publikum fremd bleiben.

In erster Linie war William Gottlieb Journalist. Fotografie spielte zwar eine große Rolle, um seine Texte zu untermalen, aber das Wichtigste war für ihn die authentische Darstellung der Künstler. Interessant ist, dass Gottlieb sich pro Session auf zwei bis vier Fotos beschränkte. Zum einen aus Respekt gegenüber den Musikern (der Blitz, den er verwendete, war alles andere als unauffällig) und zum anderen um sein Equipment vor den verrauchten Jazzclubs zu schonen und Geld zu sparen. (Für die Nerds unter euch: Speed Graphic, a Graflex and a Rolleiflex)

Er wählte die Momente sehr bewusst, wartete auf das gewisse Etwas, wie es  H. C. Bresson geprägt hatte. Auf diese Weise wurde der Autodidakt zu einem der wichtigsten Jazz-Fotografen seiner Zeit.

Von einem „guten” Porträt erwartete Gottlieb mehr als nur die reine Abbildung einer Person.

Er wollte seine Bilder nicht nur stellen, er wollte auch möglichst authentische Darstellungen. Seine Fotos waren „echt“ – ungeschönte und ungekünstelte Aufnahmen des normalen Ablaufs der Musiker. Gottlieb verstand es, lockere Bilder der Künstler zu bekommen, er hatte eine so gute Beziehung zu vielen und sie vertrauten ihm und seiner Arbeit.

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