„My art is not an answer, it is a question.“ Gottfried Helnwein


Heute möchte ich euch von einem Künstler erzählen, den die meisten von euch mit Sicherheit kennen: Gottfried Helnwein. Weltbekannt ist der Künstler vor allem aufgrund seiner hyperrealistischen Bilder, die auch bei genauem Hinsehen kaum von Fotografien zu unterscheiden sind und in denen er sich vor allem mit Themen wie Schmerz und Gewalt auseinandersetzt. Er spricht, besonders weil er die oben genannten Themen in Verbindung mit Kindern thematisiert, Tabuthemen an, die viele Menschen schockieren, verstören und mit denen sich viele auch nicht auseinandersetzen wollen. Auch mit einem Thema, das vor allem für sein Herkunftsland Österreich zu jenen Dingen zählt, über die man nicht viel spricht, dem Nationalsozialismus, beschäftigte sich der Künstler viel. Helnwein, geboren 1948, wuchs im Wien der Nachkriegszeit auf. Der Nationalsozialismus und die Aufarbeitung des Grauens waren damals um vieles präsenter, als sie es heute sind. Als der ehemalige Wiener Gerichtsmediziner Heinrich Gross in einem Interview gefragt wurde, ob er in der Zeit des Nationalsozialismus Kinder durch Injektionen getötet hat, und dieser die Antwort gab, dass er von Injektionen nichts wisse, sondern den Kindern lediglich Gift ins Essen gemischt wurde, reagierte Helnwein mit einem Aquarell mit dem Titel „Lebensunwertes Leben“. Darauf ist ein Kind zu sehen, das über seinem Essen zusammengebrochen ist. Helnwein trug damals dazu bei, dass mit dieser Aktion eine breite öffentliche Diskussion über die Vergangenheit des Heinrich Gross ausgelöst wurde.

„Kunst ist für mich eine Waffe, mit der ich zurückschlagen kann.“ (Gottfried Helnwein)

Seine fotorealistischen Bilder lösen immer wieder heftige Proteste aus. Sie provozieren und manche seiner frühen Ausstellungen mussten zum Teil sogar deswegen geschlossen werden. Mit seinem neuesten Werk sorgt er vor allem in seiner Geburtsstadt Wien für Diskussionen. Das Werk mit dem Titel „I saw this“ ist dem Künstler zufolge ein Appell gegen Gewalt, Terror und Angst. Diese sind bekanntlich in vielen Teilen der Welt Alltag und nicht minder bekanntlich werden sie von vielen anderen Teilen der Welt als etwas betrachtet, das nicht in die eigene Welt gehört und Probleme anderer sind. Das Werk, das mit einer Fläche von 4.000 Quadratmetern den Wiener Ringturm verhüllt, zeigt ein Mädchen, das mit einem Maschinengewehr auf den gegenüberliegenden Donaukanal zielt. Die Rückseite des Turms zeigt eine Stadt, die lichterloh brennt. Helnwein ist der Ansicht, dass vor allem Kunst ein geeignetes Werkzeug ist, um auf Missstände und Schreckliches aufmerksam zu machen. In einem Interview mit der österreichischen Zeitung Der Standard meint er:

„Negativnachrichten von Terroranschlägen und Kriegen, mit denen wir ständig über die Medien konfrontiert sind, bewirken nur eines: Hilflosigkeit, Ratlosigkeit und das Gefühl des Ausgeliefertseins. Wenn Kunst sich mit dem Schrecklichen beschäftigt, hat das genau die entgegengesetzte Wirkung.“

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Gottfried Helnwein: "Sehen, wo Menschen nicht mehr sehen" Der Künstler erklärt, warum er seine Verhüllung des Ringturms als Maßnahme gegen geistige Blindheit begreift. "Ich glaube, dass Verdrängungsmechanismen eine Schutzmaßnahme sind, weil die Menschen sonst zerbrechen würden, wenn sie sehen müssten, was sie in der Welt um sie herum alles anrichten. Man nimmt dann aber mit der Zeit immer weniger wahr, bis die Wahrnehmung so selektiv wird, dass man nur mehr sieht, was man sehen will, und schließlich ganz aufhört zu sehen. So konnte man zum Beispiel entspannt durch die Straßen gehen, ohne all die Menschen sehen zu müssen, die einen gelben Stern auf der Brust getragen haben. Ich habe immer wieder mit Menschen meiner Elterngeneration diskutiert und nie jemanden getroffen, dem aufgefallen wäre, dass das Leben ihrer jüdischen Mitbürger vor ihren Augen ausgelöscht wurde." FULL INTERVIEW: http://www.helnwein.com/news/news_update/article_5920-Gottfried-Helnwein-Sehen-wo-Menschen-nicht-mehr-sehen

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Heute zählt Helnwein zu den erfolgreichsten Künstlern der Welt. Er kann auf Engagements mit Superstars wie Marilyn Monroe, Andy Warhol, Marylin Manson, David Bowie zurückblicken und sein Name ist generationsübergreifend ein Begriff. Ich persönlich habe seine Werke bereits mehrmals mit eigenen Augen sehen dürfen und bin immer wieder überwältigt. Manche seiner Bilder haben mich zu Tränen gerührt. Bei manchen fiel es mir schwer, hinzusehen, weil mich das, was sie in mir ausgelöst haben, so sehr berührt und gleichzeitig verstört hat. Ich kann nur jedem empfehlen, sich näher mit Gottfried Helnwein und seiner Kunst auseinander zu setzen, und wenn ihr die Möglichkeit habt, seine Bilder in einer seiner Ausstellungen weltweit zu betrachten, dann tut es.

Mehr über den Ausnahmekünstler findet ihr auf seiner Website, seinem Instagram Profil und seiner Facebook Page.

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