Foto vs. Leben? Vulkantourismus auf Hawaii


Diese Bilder gehen um die Welt. Hawaii ist derzeit von den stärksten Vulkanausbrüchen seit Jahrzehnten heimgesucht. Obwohl die Hawaiianer seit jeher mit Vulkanen zusammenleben, sich der Gefahr stets bewusst sind und die meisten Einwohner auch schon mehrere Vulkanausbrüche miterlebt haben, ist es dieses Mal anders.

Der Kilauea (übersetzt „der Spuckende“), einer der aktivsten Vulkane der Welt, befindet sich auf der Big Island von Hawaii. Er speit seit Anfang Mai durchgehend Lava aus seinem Krater und, was die Lage umso brenzliger macht, auch aus Erdspalten die zum Teil aus dem Nichts aufbrechen und weitverzweigt in einem großen Umkreis des Vulkans auftauchen. Darüber hinaus handelt es sich bei der jetzigen Eruption um eine für den Kilauea untypische explosive Eruption. Die derzeitige Aktivität des Kilauea wird dadurch unvorhersehbar und enorm gefährlich für die Inselbewohner. Ganze Teile der Insel wurden bereits evakuiert, viele der Wohngegenden sind den Lavaströmen zum Opfer gefallen und werden wohl eine Zeit lang unbewohnbar bleiben. An die 2.800 Menschen haben dadurch ihr Zuhause verloren bzw. es mit der Ungewissheit, ob sie es jemals wieder betreten werden, verlassen müssen. Trotz der drastischen Lage auf Hawaii zieht jedoch genau diese Katastrophe zahlreiche Touristen an. Dabei handelt es sich vor allem um Hobbyfotografen, die sich mit ihren Kameras möglichst nah an die Lavaströme heranwagen, um am Ende mit spektakulären Fotos heimfahren zu können.

Zugegeben, die Fotos die ich bisher gesehen habe sind wirklich atemberaubend und klar. Auch ich bin fasziniert von den Lavamassen, die sich unaufhaltbar über die Insel hinweg bewegen und Landschaften, Straßen, Wohnbauten und Industriegebiete, die von Menschenhand über Jahrzehnte hinweg errichtet wurden, in kürzester Zeit unter sich begraben. Neben der Faszination habe ich jedoch auch großen Respekt vor dieser Naturgewalt und frage mich oft, warum dieser Respekt so vielen Menschen völlig fehlt.

Erst heute wurde bekannt, dass ein Boot voller Vulkantouristen während einer vulkanischen Explosion von durch die Luft fliegender Lava und Gesteinsbrocken getroffen wurde. Verletzt wurden dabei einige, gestorben ist zum Glück niemand. Dass die Touristen wahrscheinlich knapp mit dem Leben davon gekommen sind, sollte sich aber jeder, der überlegt, sich für ein Foto in Lebensgefahr zu bringen, ins Gedächtnis rufen.

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