Daguerreotypie


Ihren Ursprung hat die Daguerreotypie im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Joseph Niépce war der Erfinder der Fotografie, der französische Maler Louis Jacques Mandé Daguerre (18. November 1787 – 10. Juli 1851) aber machte sie mit seinem Fotografie-Verfahren praxistauglich und populär. Am 19. August 1839 wurde das erste Daguerreotypie-Portrait erstellt. Den Durchbruch hatte die auch genannte „Lichtbildnerei“ erst, nachdem der französische König Louis Philippe die Erfindung kaufte.

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Die Daguerreotypie ist ein Verfahren, bei dem chemische sowie physikalische Kräfte eingesetzt werden. Hierfür wurden Silber- oder versilberte Kupferplatten – später auch Glas – verwendet. Diese wurden poliert und mit Jod- oder Bromdämpfen behandelt, wodurch die Lichtempfindlichkeit gesteigert wurde. Das Ergebnis war eine Oberfläche aus Jod- bzw. Bromsilber. Die Fotografie wurde mit Hilfe von Quecksilberdämpfen und einer Camera obscura entwickelt. Die Belichtungszeit in der Camera obscura dauerte nur 15 bis 30 Minuten, was im Gegensatz zu Niépces Heliographie mit acht Stunden sehr kurz war. Daraufhin wurde die Fotografie in einem heißen Bad aus hochkonzentrierter Salzlösung oder Natriumthiosulfat-Lösung und Wasser fixiert. Bei diesem Verfahren werden alle Silberiodid-Teilchen, die nicht dem Licht ausgesetzt waren, einfach abgespült.

So entsteht ein Unikat – ein einzigartiges Bild, welches nicht, wie später beim Positiv-Negativ-Verfahren, dupliziert werden konnte. Man erhält ein positives, jedoch seitenverkehrtes Bild aus schwärzlichem Silber. Bei perfekten Lichtverhältnissen kann man das Foto optimal erkennen.  Bei einem anderen Einfallswinkel des Lichts wird der Eindruck eines Negativs geweckt. Für die Kolorierung der Bilder wurden Staubfarben verwendet. Dies stellte sich jedoch als sehr heiklen Prozess heraus und die Fertigkeiten beherrschten nur wenige, ausgewählte Künstler. Die Daguerreotypien sind zudem äußerst empfindlich, daher wurden sie oftmals mit einem Schutzglas versehen oder gerahmt.

Die meisten Daguerreotypien entstanden auf einer relativ kleinen Platte (sog. Viertelplatte; 10,8 x 8,1 cm), weshalb die Betrachter, um die kleinen Details zu erkennen, zum Beispiel eine Lupe verwenden mussten. Aber gerade diese winzigen Details und Eigenheiten gab es bis dahin bei keinem Medium und machten die Daguerreotypie besonders. Die Betrachtung erforderte Zeit und Konzentration, was ein Vergrößerungsglas nur noch unterstütze. Beim Anblick einer Daguerreotypie tritt die Umgebung in den Hintergrund – man taucht sozusagen vollkommen in die Welt des Bildes ein.

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Das Daguerreotypien-Verfahren wurde zu einem der wichtigsten Meilensteine der Fotografie-Geschichte und kann als Ursprung des Fotojournalismus bezeichnet werden. Ein wesentlicher Grund, warum sich das Verfahren in ihrer Ursprungsform nicht langzeitig beweisen konnte, war die Auseinandersetzung mit den schädlichen Giftstoffen. Zeitgleich zur Daguerreotypie entstanden auch weitere Fotografie-Typien: die Heliografie, die Talbotypie, die Ambrotypie, die Ferrotypie, die Kollodium-Nassplatte sowie die Wothlytypie. Die Talbothypie, auch bekannt als Kalotypie, ähnelt dem Daguerreotypie-Verfahren und wurde zeitgleich vom Engländer William Henry Fox Talbot entwickelt. Die markantesten Unterschiede der beiden Verfahren sind einerseits die verwendete Oberfläche (bei Kalotypie wird Papier verwendet) sowie die Beständigkeit. Das fotografische Verfahren von Talbot wird in abgewandelter Form auch heute noch verwendet. Mit dem Nassen Kollodiumverfahren kam eine kosteneffizientere und hochqualitativere Form der Daguerreotypie und der Kalotypie. Ab diesem Zeitpunkt konnten auch Kopien von den Fotografien angefertigt werden. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit das Fotografieren mit Gelatine-Trockenplatten. So wurde das Fotografieren massentauglich.

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