Ist das INSTAGRAMABLE?


Manchmal, das muss ich ehrlich zugeben, habe ich das Gefühl, dass die ganze Welt rund um Social Media die Menschheit ein Stück weit verrückt gemacht hat. Man hört und liest regelmäßig von Leuten, die sich für ein Selfie in Lebensgefahr bringen, man trifft beim Reisen immer mehr Leute, die ihre ganze Reise durch ihr Smartphone erleben,Restaurants, Eiscreme-Geschäfte und Co. werden überrannt. Nicht aber, weil die Kreationen, die man dort bekommen kann, so gut schmecken würden, nein, vor allem, weil sie sich super für den Instagram-Feed eignen. Mir ist das schon länger zuwider, aber seit ich vor kurzem mit meiner Uroma über Social Media gesprochen habe, oder, sagen wir besser, versucht habe, ihr zu erklären, was das ungefähr ist, hat mir das wirklich die Augen geöffnet. Wir sind auf das Thema gekommen, weil im Café, in dem wir saßen, links und rechts von uns die Leute ihre Cappuccinos fotografiert haben und sich meine Uroma gefragt hat, was das Ganze soll. Je mehr ich ihr dann über Instagram und Co., von Likes und Follower erzählt habe, desto mehr wurde mir selbst bewusst, wie absurd das alles ist. Wir dokumentieren akribisch unser Leben in Form von Fotos, um damit Leute, die wir oft gar nicht kennen, dazu zu bringen, uns ein Like zu geben,und hoffen darauf, dass irgendwann mal aus den Likes ein Follow wird? Wir reisen zu Instagram-Hotspots der Welt, nur um auch ein Foto davon in unserem Feed zu haben? Wir führen quasi ein Leben, das wir für Unbekannte über Social Media inszenieren, auch wenn der Feed meist nicht unserer Realität entspricht?Für was? Was sind diese Likes für uns wirklich? Die Bestätigung das wir ein„gutes“, „Like-würdiges“ Leben führen?

Ich habe mir dazu seit dem Gespräch mit meiner Uroma echt viele Gedanken gemacht, und um ehrlich zu sein,macht mir das ganze wirklich Sorgen. Wenn so viele von uns sogar in den intimsten Momenten den Drang verspüren, diesen via Social Media mit einer unbekannten Masse zu teilen, ist dieser Moment dann eigentlich noch das, was er gewesen hätte sein können? Warum können wir diese Momente nicht mehr „nur für uns“genießen? Warum wollen wir der Welt dauernd zeigen, dass wir zu den Glücklichen zählen, die solche Momente erleben?

Gestern bin ich dann auf einenArtikel über ein Museum in Shanghai gestoßen. Dort gibt es eine Ausstellung, inder es rein darum geht, dass man sich dort für Social Media fotografierenlässt. Eintritt in das „Egg house“ sind umgerechnet stolze 25 Euro. Die Räumeder Ausstellung sind so gestaltet, dass es aussieht, als würde dort einüberdimensionales Ei wohnen. Es gibt Ei-förmige Toiletten, einen Sessel, deraussieht wie ein Eierkarton, eine Pfanne, wo man selbst Spiegelei spielen kannusw.  Das Konzept klingt ziemlich banalund ehrlich gesagt auch ein bisschen idiotisch, ist aber ein riesen Erfolg undzieht die Instagrammer in Scharen an.


Wenn ich das nächste Mal bei meiner Uroma am Küchentisch sitze, zeige ich ihrauf jeden Fall die Fotos des „Egg House“ in Shanghai. Ich bin gespannt was siedazu sagen wird.

 

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