Fotoreporter – allen Widrigkeiten zum Trotz


Stellt man sich einen Fotoreporter vor, so haben viele von uns dasselbe Bild vor Augen: einen tollkühnen Fotografen, der sich allen Widrigkeiten zum Trotz auf eine Reise begibt, um den Menschen die Welt näher zu bringen. Geschichten erzählen, die verschiedensten Länder und Kulturen in spannenden Bildreportagen präsentieren und sich durch Fotos eines Sprachrohrs bedienen, das universal verständlich ist.

Ja, der Beruf des Fotojournalisten ist wahrlich ein glorifizierter. Doch wie sieht die Realität hinter dieser Heldenkulisse aus und welche Gefahren lauern tatsächlich auf die Fotografen?

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Lass mich dir die Welt durch mein Objektiv/meine Augen zeigen

Unerschrockene Helden, die nur mit einer Kamera und einigen Objektiven bewaffnet durch die Weltgeschichte reisen und die versteckten Geschichten aufzeigen, die hinter jeder Ecke lauern. Wir verdanken es ihnen, dass wir Orte, Dinge und Geschehnisse sehen können, die wir sonst nie zu Gesicht bekämen. Durch eine ganz eigene Sprache verleihen sie ihren Fotoreportagen einen unverwechselbaren Stempel. Die dazu geschriebenen Texte runden das Drumherum ab, um so die Faszinationen der Welt zu den Menschen nach Hause zu bringen.

Der Beruf des Fotojournalisten ist so gefragt wie eh und je. Viele junge Menschen möchten sich auf tollkühne Reisen durch die Weltgeschichte begeben und durch ihre Objektive unvergessliche Momentaufnahmen erschaffen. An Prinzipien festhalten, eine Geschichte erzählen und dabei noch die erstaunlichsten Dinge erleben – die Berufsbeschreibung liest sich wie aus einem guten Hollywood-Streifen. Die Wahrheit dahinter ist jedoch oft nicht ganz so rosig.

Nicht alles ist Gold, was glänzt

Die guten alten Zeiten, von denen wir heute noch so manchen Fotografen schwärmen hören, sind vorbei und die Realität holt selbst den wagemutigsten Träumer ein. Denn immer mehr wird der Beruf des Fotografen zu einem Schatten seiner selbst. Und das merken ebenso die Fotoreporter.

Es war einmal, dass Verlage ihre Fotografen oft über Wochen in die Welt aussandten, um qualitativ hochwertige und authentische Berichte zu produzieren und der Welt einen Spiegel vorzuhalten. Heute sind die Aufträge rar, das Budget knapp und meist gilt das Motto: Hauptsache schnell. Wobei gerade Zeit das A und O einer gelungenen Fotoreportage sind. Doch Stock-Bilder und Oberflächlichkeit ziehen die Schlingen um die Fotojournalisten immer enger. Was früher als Tugend galt, ist heute eher ein Störfaktor.

Wo der wahre Feind lauert

Der große Feind eines Fotoreporters lauert nämlich, anders als häufig vermutet, nicht als wildes Tier im Tropengestrüpp oder brodelt als Lava in entfernten Vulkanen. Die Realität ist der Feind, denn die gestaltet sich meist so: Viel Arbeit steht einem geringen Verdienst gegenüber und der erhoffte Ruhm bleibt meist aus. Die Verlage stehen nicht mehr hinter ihnen. Der Konkurrenzkampf wird immer größer und die Leser geben sich mit Mittelmäßigkeit zufrieden. All das führt dazu, dass engagierte Fotojournalisten immer öfter um ihr Überleben kämpfen.

Totgesagte leben bekanntlich länger

Doch trotz allem entscheiden sich immer noch Menschen dazu, dem Beruf des Fotoreporters nachzugehen, wohlwissend, was sie erwartet. So beschreibt Professor Rolf Nobel in einem Interview mit dem DOCMA-Magazin, dass er zwar all seine Studenten von Beginn an vor den finanziellen Herausforderungen des Berufes warne. Die Abbruchquoten der 200 Studierenden unter Prof. Nobel (Stand 2016) liegen jedoch im einstelligen Prozentbereich.

Dem Berufsfeld werden ganz neue Möglichkeiten eröffnet, denn nun wurden die Fotografen aus ihrem Elfenbeinturm herausgerissen und auf den Boden der Tatsachen gebracht, was sie zu Veränderungen zwingt. Die Blicke fokussieren sich auf das Wesentliche und lassen Berufsfotografen umdenken und neue Wege einschlagen.

Somit bleibt zwar ungewiss, was die Zukunft des Fotojournalismus mit sich bringt. Jedoch werden noch große Umstrukturierungen auf die Fotografen zukommen. Ob diese positiv oder negativ sein werden, wird uns wohl erst die Zeit selbst zeigen.

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